Berlin : Alte Busse: An den Doppeldeckern nagt der Rost

Klaus Kurpjuweit

Busfahrgäste, die es gewohnt sind, im Doppeldecker Platz zu nehmen, erhalten derzeit einen Vorgeschmack auf kommende Zeiten: Es wird bald noch weniger der Großen Gelben geben als heute. Seit Wochen muss die BVG auf vielen Linien Doppeldecker durch Eindecker ersetzen, weil ein großer Teil der älteren Busse repariert wird. Die Eindecker haben zwar Platz für etwa ebenso viele Fahrgäste. Doch die müssen meist stehen, weil es weniger Sitze gibt als in den Doppeldeckern.

Die BVG will die Zahl der Doppeldecker ohnehin reduzieren. Derzeit sind nach Angaben von BVG-Sprecherin Barbara Mansfield 558 der großen Fahrzeuge noch im Bestand. Vor wenigen Jahren waren es allein im Westteil der Stadt noch mehr als 1000. Die Zahl soll in Zukunft auf etwa 400 verringert werden. Diesem Ziel ist die BVG derzeit schon unfreiwillig nahe gekommen. 57 Doppeldecker mussten abgestellt werden, weil sich eine Reparatur nicht mehr lohnt, und 38 haben so erhebliche Rostschäden, dass sie aufwendig repariert werden müssen. Der Aufenthalt in der Werkstatt kann nach Angaben von Experten bis zu sechs Wochen dauern.

Während in den vergangenen Jahren Doppeldecker etwa zwölf Jahre und die Eindecker sogar nur acht Jahre im Einsatz bei der BVG waren und dann oft weiterverkauft wurden, bleiben sie heute erheblich länger im Linienverkehr. Dies hatte schon vor Jahren der Rechnungshof gefordert; inzwischen fehlt der BVG aber auch das Geld für regelmäßige Neubeschaffungen, weil der Zuschuss aus der Landeskasse kontinuierlich gekürzt wird.

So müssen Fahrzeuge, die früher aus dem Verkehr gezogen wurden, heute repariert werden und weiter fahren. Der unplanmäßige Aufenthalt in der Werkstatt führt aber zu einem Fahrzeugmangel. Die BVG setzt zwar alle verfügbaren Busse, auch ganz alte, ein, doch im Fahrplan fehlen nach Mansfields Angaben derzeit etwa 30 Doppeldecker. Nicht nur auf der für sie typischen Linie 148 zwischen Zehlendorf und Philharmonie/Alexanderplatz fahren so als Ersatz Eindecker, betroffen sind auch weitere Linien wie die 383 zwischen dem U-Bahnhof Breitenbachplatz und Mariendorf, wo sich ebenfalls Fahrgäste über die geringe Zahl der Sitzplätze in den Eindeckern beschweren.

Zudem könnten die 18 Meter langen Gelenkbusse oft nicht an den Haltestellen stoppen, deren Platzbedarf sich an den nur knapp 12 Meter langen Doppeldeckern ausrichtet. So halte der Bus auch schon mal mitten auf dem Fahrbahn, klagt eine Frau. Das erschwere vor allem älteren Fahrgästen das Einsteigen über die dann sehr hohe Stufe.

Glück hatte die BVG, dass sie kurzfristig 19 weitere Eindecker - gewissermaßen von der Konkurrenz - kaufen konnte. Sie waren nach BVG-Vorgaben von MAN für private Unternehmen gebaut worden, die sie dann aber nicht abnahmen. Die BVG reduziert auch die Zahl der Linien, die in ihrem Auftrag von privaten Firmen betrieben werden.

Ein Ersatz für die Doppeldecker ist dagegen nicht in Sicht. Die BVG hat zwar ein neues Modell auf dem Papier entworfen, eine Entscheidung über einen Neubau steht aber, wie berichtet, noch aus. Auch bei der U-Bahn bleiben die Züge länger als urspünglich geplant im Einsatz. Die BVG will jetzt sogar für die Linien 1 bis 4 Fahrzeuge überholen lassen, die zum Teil schon 35 Jahre alt sind. Sie sollen von einem privaten Unternehmen aus Mittenwalde in den BVG-Werkstätten aufgepeppt werden. Derzeit wird die Verjüngungskur an einem Wagen in Mittenwalde ausprobiert. Neue Fahrzeuge soll es vorläufig nicht geben, obwohl seit Jahren an einem Prototyp gearbeiter wird. Nur zwei Züge wird die BVG davon erhalten.

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