Alte Försterei : Stadionverbot für Dresdener Hooligans

FC Union gegen Dynamo Dresden: Die Polizei versucht jetzt mit Auflagen, die befürchteten Krawalle bei der Begegnung am Donnerstag zu verhindern.

Jörn Hasselmann

Die Polizei will mit Meldeauflagen und Aufenthaltsverboten den befürchteten Krawall beim Fußballspiel 1. FC Union gegen Dynamo Dresden unterbinden. Polizeipräsident Dieter Glietsch kündigte gestern an, dass gegen elf Fans des Dresdener Vereins „Aufenthaltsverbotsverfügungen“ erlassen worden sind. Diese als Gewalttäter bekannten Personen dürfen sich dem Stadion Alte Försterei in Köpenick am 8. Mai nicht einmal nähern. Missachten sie das Verbot, werden sie festgenommen – auch ohne jede Straftat. In der vergangenen Saison hatte die Polizei 1350 Beamte aufbieten müssen, um die 3000 aus Dresden anreisenden Fans von den verfeindeten Unionern zu trennen. Weite Teile Köpenicks waren von der Polizei hermetisch abgeriegelt worden. Die „Aufenthaltsverbotsverfügung“ gilt als schärfstes Instrument vor Risikospielen. Die Polizei hatte bereits bei der Fußball-Weltmeisterschaft davon Gebrauch gemacht. 40 Berliner Hooligans – der ganz harte Kern – durften sich damals nicht der Fanmeile am Brandenburger Tor nähern.

Zudem hat die Berliner Polizei die sächsischen Behörden gebeten, gegen 110 Hooligans, die der höchsten Kategorie „C“ (gewaltsuchend) angehören, Meldeauflagen zu erlassen, um sie an der Reise nach Berlin zu hindern. Der Sprecher des sächsischen Innenministeriums, Steffen Große, dämpfte gestern jedoch allzu große Hoffnungen. „Wir werden die Bitte prüfen“, sagte Große. Da „die rechtliche Hürde für Meldeauflagen sehr hoch“ liege, werde es zum Teil nur „Gefährderansprachen“ geben. Dies ist eine schriftliche oder mündliche Aufforderung, sich friedlich zu verhalten.

In Berlin wurde gestern in der Polizeiführung das zögerliche Verhalten der sächsischen Behörden kritisiert. Schon nach dem Spiel im vergangenen April hatte Glietsch scharf kritisiert, dass es „dem Steuerzahler auf Dauer nicht zuzumuten ist, dass Fußballspiele der unteren Ligen mit derart hohem Aufwand polizeilich begleitet werden müssen“. Sogar ein Verbot solcher als „besonders störanfälligen“ Partien sei möglich, hatte Glietsch angekündigt. Adressaten dieser Drohung waren vor allem Union in der 3. Liga und BFC Dynamo in der 4. Liga. Nachdem die sächsischen Behörden kürzlich gemeldet hatten, dass bis zu 400 der berüchtigten Dynamo-Hooligans in Berlin auf Krawall aus seien, hatte Glietsch Union verboten, Karten an sächsische Fans zu verkaufen.

Nach mehreren Gesprächen zwischen Vereinen, Verbänden und Behörden wurde dieses Verbot abgemildert. Nun dürfen Dresden-Fans „nur in eigens für sie bereitgestellten Zügen“ nach Berlin reisen. Die Vergabe der Eintrittskarten soll im Zug erfolgen und durch die Polizei kontrolliert werden. In Fankreisen ist jedoch zu hören, dass es Dresden-Fans auch unkontrolliert gelingen werde, ins Stadion zu kommen. Das Spiel beginnt am Donnerstag um 20.30 Uhr.

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