Berlin : Alte Liebe

Elisabeth Binder

macht sich Sorgen um die Berliner Single-Kultur Schlechte Nachrichten für die Hauptstadt der Singles: eine Revolution könnte unmittelbar bevorstehen. Siebzig Prozent der Deutschen sind verliebt, hat eine Emnid-Umfrage für die Zeitschrift „Bildwoche“ ergeben. Das ist, besonders bei dem Wetter, natürlich zunächst mal keine besondere Kunst. Aber jetzt kommt’s: 64 Prozent der Befragten gaben zu, in ihren langjährigen Partner verliebt zu sein. Schwimmen denn all die Fische, die in den einschlägigen Single-Aktionen der Berliner Nächte immer wieder neu nach einem passenden Fahrrad suchen, im Grunde gegen den Strom? Partner-Hopping war gestern, Bewährtes setzt sich wieder durch. Blindes Vertrauen schlägt blinde Dates, altbekannte Zärtlichkeiten triumphieren über den knisternden Stress erster Nächte. Ein so deutliches Votum für den erotischen Konservativismus passt eigentlich eher zum Winter. Da erreicht uns das Ergebnis einer weiteren Umfrage, nach der deutlich mehr Ostdeutsche als Westdeutsche die Liebe im Freien und andere Experimente bevorzugen, die langjährige Partnerschaften aufmuntern können. Vielleicht bringt der Frühling also nur die erotische Variante einer sanften Revolution, die experimentierfreudigen Singles zum Glück der Treue verhilft.

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