Berlin : Alte Zeiten

Dirk Bach spielt jetzt in Berlin Theater. Ab 21. September erinnert er sich an die Schulzeit in „Klassentreffen“

Dagmar Rosenfeld

Wenn Ihnen demnächst etwas Eiförmiges auf zwei Beinen begegnen sollte, dann ist das nicht Hympty Dumpty aus Alice im Wunderland. Nein, dann ist wahrscheinlich Dirk Bach an Ihnen vorbeigelaufen. Er wohnt nämlich vorübergehend in Berlin, weil er ab dem 21. September am Theater am Kurfürstendamm spielt. „Klassentreffen“ heißt das Stück über zwei Schulfreunde, die sich nach 20 Jahren zum ersten Mal wiedersehen. Und wie das dann so ist, erzählt man sich, wie es einem ergangen ist und kramt gemeinsam in Erinnerungen. Alles ein bisschen Retro eben. Und Retro ist ja voll im Trend.

In blaukarierter Hose und rotkariertem Hemd sitzt Dirk Bach auf dem orangenen Sofa am Bühneneingang – ein gigantisches Farbenpotpourri, das ein bisschen in den Augen schmerzt. Von Klassentreffen habe er keine Ahnung, sagt Bach. „Ich bin nie auf einem gewesen.“ Dabei gebe es eine Menge Klassen mit denen er sich treffen könnte, wo er doch dreimal sitzen geblieben sei. Er kichert und hält sich dabei seinen kugelrunden Bauch. Unwillkürlich fragt man sich, ob Bach wohl quietschen würde, wenn man da drauf drückt.

„Na ja“, sagt Bach, „eigentlich geht es in dem Stück ja weniger um das Klassentreffen als um meine Generation, die Generation der 40-Jährigen.“ Aha. Wie die Dreißig-Jährigen ticken, das hat uns Florian Illies in seinen beiden „Generation Golf“-Büchern ja hinlänglich erklärt. Aber die „Generation Bach“, was hat die geprägt? „Freiheit“, sagt er. Politisch und sexuell habe seine Generation alles ausprobieren können. Alles? Dirk Bach beschränkt sich auf die politische Freiheit. Er erzählt von seinen unglaublich liberalen Eltern, die damals zwar nicht davon begeistert waren, als er sich bei den K-Gruppen umschaute, ihn aber trotzdem machen ließen. Er erzählt vom deutschen Herbst und von einer Demonstration gegen den Paragraphen 218, auf der er dann verhaftet wurde.

So politisch wie Bach ist das Theaterstück über seine Generation allerdings nicht. Da beschränkt sich die Lebenswelt der 70er Jahre auf Ahoi-Brause-Tüten, Dalli-Dalli und die ZDF-Hitparade. Alles Dinge die im wirklichen Leben von Dirk Bach nicht von großer Bedeutung waren. „Ich habe nie das Fernsehtestbild beweint“, sagt er. Er habe stattdessen Shakespeare gelesen. Als er 14 war, sei sein Idol Hamlet gewesen, heute würden die 14-Jährigen für Typen wie Daniel Küblböck schwärmen. „Vielleicht ist genau das die Gnade meiner frühen Geburt“, sagt Bach.

„Klassentreffen“ mit Dirk Bach und Thorsten Nindel läuft ab 19. September im Theater am Kurfürstendamm. Karten: 88591188

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