Alternative für Deutschland : Berliner Eurokritiker schon im Führungsstreit

Der Berliner Landesverband der „Alternative für Deutschland“ macht zwei Wochen nach seiner Gründung durch Personalquerelen auf sich aufmerksam: Nach dem Rücktritt von Vorstandssprecher Matthias Lefarth wurde auch der Landesgeschäftsführer abberufen.

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Hartes Thema: Die AfD will zurück zur D-Mark.
Hartes Thema: Die AfD will zurück zur D-Mark.Foto: dpa

Berlin - Der Berliner Landesverband der Anti-Euro-Partei „Alternative für Deutschland“ steckt zwei Wochen nach seiner Gründung in einer schweren Führungskrise. Landesgeschäftsführer Mathias Goldstein sei von seinen Aufgaben entbunden worden, teilte der Verband am Freitag mit. Bereits am Montag war Matthias Lefarth, einer der drei Vorstandssprecher, zurückgetreten. Goldsteins Ehefrau Annette, die ebenfalls zur Sprecherin gewählt worden war, solle sich „künftig verstärkt auf die Ausarbeitung inhaltlicher Positionen konzentrieren“, heißt es in der Mitteilung weiter.

Hintergrund der Personalquerelen ist ein heftiger Streit, der sich bei einer Vorstandssitzung am Montagabend zugetragen haben soll. Die Sitzung fand in den Büroräumen der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft von Annette Goldstein in Charlottenburg statt. Offenbar gab es Auseinandersetzungen über die Themenverteilung im Vorstand und die Sitzungsleitung. Nachdem sie sich nicht durchsetzen konnte, hatte Goldstein nach Teilnehmerangaben von ihrem Hausrecht Gebrauch gemacht und die anderen Vorstandsmitglieder der Räume verwiesen. Diese hätten die Sitzung dann an einem anderen Ort fortgesetzt. Während der Berliner Landesverband nun auf der Suche nach neuen Räumlichkeiten ist, sei inzwischen die AfD-Bundesgeschäftsstelle in ihre Büroräume eingezogen, sagte Goldstein dem Tagesspiegel. Unter Verweis auf ein „schwebendes Rechtsverfahren“ lehnte sie eine Stellungnahme zum Verlauf der Sitzung jedoch ab.

In der Pressemitteilung heißt es, eine „eventuelle Verquickung von Partei und Familie“ müsse in Zukunft „zwingend vermieden werden“. Annette Goldstein hatte dem Verband nicht nur angeboten, ihre Räume als Landesgeschäftsstelle zu nutzen, sondern angeblich auch darauf gedrängt, dass ihr Mann Mathias Landesgeschäftsführer wird. Nach nur einer Woche soll der Unmut unter den anderen Vorstandsmitgliedern über dessen Amtsführung allerdings so groß gewesen sein, dass es nun zu seiner Absetzung kam. „Es entstand der Eindruck, dass es zu starke familiäre Verquickungen gibt“, sagte Frank Hessenland, Pressesprecher des Landesverbands, dem Tagesspiegel.

Im Landesverband gibt es auch grundsätzlich Streit darüber, wer die Partei in den Bundestagswahlkampf führen soll. Lefarth, der bei der Vorstandswahl vor zwei Wochen das beste Ergebnis erzielt hatte, wollte offenbar den ersten Listenplatz für sich beanspruchen und konnte sich damit nicht durchsetzen. Wie das Ehepaar Goldstein war auch Lefarth vor seinem AfD-Beitritt Mitglied der Berliner FDP. Die Landesliste soll am 25. Mai aufgestellt werden.

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