Berlin : Alternativen zu Degussa schon geprüft

Berliner Konkurrent beschichtete Mahnmal-Stelen zur Probe mit Graffitischutz

Dagmar Rosenfeld

Der Bau des Holocaust-Mahnmals ist zwar gestoppt, aber Graffitischutz wird trotzdem auf Betonstelen gesprüht – und zwar nicht von der Firma Degussa, sondern von der Konkurrenz. Als mögliche Alternative hat die Firma PSS Interservice bereits in der vergangenen Woche im Joachimsthaler Werk des Stahlbetonherstellers Geithner Bau zur Probe eine Mahnmal-Stele mit ihrem Oberflächenschutz „Facel Oleo HD“ bearbeitet. Geithner Bau produziert die Stelen.

Gestern hatten sich dann Vertreter der Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und des Bausenats in Joachimsthal getroffen. Dabei ging es um Alternativen zum Graffitischutz der Firma Degussa, deren Tochterfirma das Auschwitz-Gas Zyklon B hergestellt hatte. Im Stahlbetonwerk seien neue Referenzstelen begutachtet worden, sagt Stiftungssprecher Uwe Neumärker. „Die Alternativen sind unter finanziellen und technischen Aspekten geprüft worden.“ Darüber werde nun ein Gutachten erstellt und dem Stiftungskuratorium vorgelegt. Im Laufe der kommenden Woche wolle das Kuratorium dann über die Fortsetzung des Baus entscheiden. Über die Ergebnisse des Treffens in Joachimsthal haben alle Beteiligten Stillschweigen vereinbart. Auch über die Alternativprodukte zum Oberflächenschutz von Degussa wollte sich Neumärker nicht äußern. „Noch ist offen, wie es weitergeht“, sagt er. Degussa sei nach wie vor im Rennen.

Wieder im Rennen ist auch PSS Interservice. „Wir stehen mit Geithner Bau in Kontakt“, sagt Stephan Wagener, Geschäftsführer von PSS-Interservice. Konkrete Vereinbarungen gebe es jedoch nicht. Allerdings sei es auch nicht gerade wettbewerbsfördernd, dass Bundestagspräsident Wolfgang Thierse sich derzeit als „Chefverkäufer der Degussa“ aufspiele.

» Mehr lesen? Jetzt kostenfrei E-Paper testen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben