Berlin : Altersarmut ist in Berlin kein großes Problem – vorerst

von

Rentnern geht es in Berlin besonders gut. Anders als in Deutschland insgesamt und im benachbarten Brandenburg stehen sie finanziell sogar besser da als die berufstätige Bevölkerung. Dieser Befund des jüngsten regionalen Sozialberichtes ist für den Paritätischen Wohlfahrtsverband keine Überraschung. „Altersarmut ist derzeit noch kein gravierendes Problem“, sagte der Berliner Geschäftsführer Oswald Menninger. Das decke sich mit eigenen Einschätzungen, auch mit Erfahrungen aus der offenen Altenarbeit. „Die Mehrheit der heutigen Rentner kommt mit ihrer Rente aus.“ Aber, so fügte Menninger sofort hinzu, dies sei „kein Grund zur Entwarnung“. Schon in wenigen Jahren werde die Altersarmut deutlich ansteigen. Dann gehe eine Generation „mit oft löchrigen Erwerbsbiografien“ in Rente. Auch die in Berlin nicht kleine Schicht von Menschen, die auf Hartz IV und andere Sozialleistungen angewiesen sei, werde älter.

Dass die Lage der heutigen Rentner in Berlin gemessen an diesen Aussichten entspannt ist, hängt nach Experten auch mit der deutschen Teilung zusammen, wo man im Westen und im Osten der Stadt gut verdienen konnte. Die langjährigen Erwerbsbiografien und die Berufstätigkeit der Frauen im Osten wirke sich aus, sagt Menninger.

In Brandenburg, wo es naturgemäß kaum „West-Rentner“ gibt, sieht die Statistik anders aus. Dem repräsentativen Sozialbericht zufolge, der auch die Einkommensverhältnisse untersucht, haben in der Mark die Rentner weniger Geld zu Verfügung als die unter 65-Jährigen. Armut sei, auch wegen der bisherigen Ostrenten, „kein herausragendes Armutsrisiko“, sagt Andreas Kaczynski, der in Brandenburg den Paritätischen Landesverband leitet. Doch es werde „ein riesiges Problem“, wenn all die Menschen mit heutigen Niedriglöhnen in Rente gehen. Die generelle Sozialentwicklung in der Region sehen beide Paritätische Landesverbände zwiespältig. Als „kleinen Lichtblick“ bezeichnete Menninger, dass in Berlin das Armutsrisiko – mit einem Anteil von 14,2 Prozent Gefährdeter – geringer sei als im Bundesdurchschnitt (14,5). Das Kernproblem in beiden Ländern sei „verfestigte, verhärtete Armut“ in Folge von Langzeitarbeitslosigkeit. In Brandenburg drohe neue Armut durch den hohen Anteil von Schulabbrechern. Und in Berlin sei in sozialen Brennpunkten der Zusammenhang zwischen niedriger Bildung und Armut unübersehbar.

Über die Rezepte gehen die Meinungen auseinander. Menninger sprach sich dafür aus, Langzeitarbeitslose zu gemeinnützigen Beschäftigungen zu verpflichten, wobei „man ihnen mehrere Angebote machen müsste“. Sein Brandenburger Kollege hält davon nichts. „All das gibt es doch schon.“Thorsten Metzner

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben