Berlin : Altersversorgung

Bernd Matthies

über den Mangel an legendären Kriminellen Ganoven klassischen Zuschnitts haben es längst nicht mehr leicht heutzutage. Der gealterte Schränker, der die bescheidene Altbauwohnung nur noch ab und an für den ganz großen Bruch verlässt, der geniale Fassadenkletterer, der außer seiner Visitenkarte nie eine Spur hinterlässt – Legenden. Heute werden selbst erfolgreiche Serieneinbrecher nicht mehr vom Kitzel krimineller Eleganz gelockt, sondern von der Frage, wie sie die nächste Portion Heroin finanzieren.

Der 64-Jährige, den die Berliner Polizei jetzt gestellt hat, scheint trotz seines würdigen Alters in diese eher tragische Kategorie zu gehören. 200 Wohnungen will er allein in diesem Jahr klargemacht haben, eine bewundernswerte Energieleistung, die in den meisten bürgerlichen Berufen Ruhm und Ehre bringen würde und eine üppige Altersversorgung dazu. Nur zum fachgerechten Weglaufen hat die Kraft nicht mehr gereicht, und nun sieht es so aus, als werde er einen beträchtlichen Teil seines Rentnerdaseins hinter Gittern verbringen.

Immerhin ist auch das eine Art staatliche Altersversorgung. Nur die Heroinfinanzierung wird schwerer werden.

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