Berlin : Altes Haus voll junger Talente

Wie ein denkmalgeschütztes Schulgebäude energieeffizient wurde.

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Haustechniker. Ben (r.) und Kieran prüfen im Heizungsraum der Montessori-Schule Pankow, ob die Werte in dem energieoptimierten Gebäude stimmen. Foto: V. Schlenner
Haustechniker. Ben (r.) und Kieran prüfen im Heizungsraum der Montessori-Schule Pankow, ob die Werte in dem energieoptimierten...

23 Grad warm ist die Wand. Anselm weiß das, denn er hat es gerade gemessen. Jetzt hält er das Ablesegerät in Richtung Fußboden. „Auch 23 Grad!“, sagt er. Alles in Ordnung also im Bewegungsraum der Grundschule – nicht zu warm und nicht zu kalt. Anselm ist neun Jahre alt und an der Freien Montessori-Schule in Pankow einer von über 40 Energieforschern. So heißt die Projektgruppe von Schülern, die überwacht, ob in der Schule alles mit energieeffizienten Dingen zugeht.

2006 begann der Umbau der Klinkervilla von 1899, mittlerweile ist die Sanierung zum Vorbild dafür geworden, dass auch denkmalgeschützte Häuser klimaneutral sein können. „Von 65 Litern Heizöl pro Quadratmeter und Jahr auf Null kommen – und das im Denkmal und bei laufendem Schulbetrieb“ erklärt Architekt Ulrich Zink das Ziel. Es ist fast geschafft: Derzeit liegt der Verbrauch bei 1,5 Litern.

Die Villa in der Hadlichstraße nahe der S-Bahntrasse war früher Gemeindehaus der Evangelischen Kirche. Als der Jugendhilfeträger Karuna das Haus 2006 mietete, um dort eine Montessori-Grundschule unterzubringen, war das Haus alles andere als klimafreundlich. Schwamm hatte sich durch Gemäuer und Gebälk gefressen, der alte Gasbrennwertkessel heizte mehr oder weniger auf verlorenem Posten. „Der Hausschwamm-Pilz ist der schlimmste Feind des Gebäudes“, erklärt Zink, Architekt und Mitglied beim Bundesarbeitskreis Altbauerneuerung. Also wurde erst mal grundsaniert, bis die Spendengelder ausgingen. Dann bewarb sich Zink mit seinem Energie-Effizienzkonzept um europäische Mittel – mit Erfolg. 2011 war der Umbau fertig. Inzwischen interessieren sich Fachleute aus aller Welt für das Projekt – und über 100 Kinder toben und lernen in dem dreistöckigen Gebäude.

Gute Ideen und gutes Material brauche es, um einen Altbau denkmal- und klimagerecht umzubauen, erfährt man, wenn man Zink zuhört, der gern vom „weltbesten Dämmmaterial“ und den „weltbesten Holzfenstern“ erzählt, die er verwendet hat. Herzstück des Klimakonzepts sind Heizung und Lüftung. Erdwärme temperiert über eine Fußbodenheizung die Klassenzimmer, dazu wurde im Schulhof 90 Meter tief gebohrt. Im Sommer kann so auch gekühlt und Wärme zurück in den Boden geschickt werden. 50 Sensoren messen stündlich Temperatur und Feuchtigkeitswerte, die Lüftungsanlage funktioniert über einen CO2-Sensor.

Alle zwei Wochen treffen sich die Schüler-Energieforscher zum Prüfen und Auswerten. Ein paar schauen, ob etwas repariert werden muss, eine andere Gruppe berechnet den Energieverbrauch, und die Reporter berichten darüber in der Schülerzeitung. Spaß mache das, und wichtig sei die Aufgabe auch, sagen sie: „Einmal haben wir herausgefunden, dass etwas mit der Lüftungsanlage nicht stimmt, erzählt der zwölfjährige Emil. „Und einmal haben wir eine Delle in der Wand gefunden.“ Sylvia Vogt

Thementour „Graue Energie sparen/Baustoff Holz“, 30.10. ab 14 Uhr. Treff: Görschstr. 48 (Pankow), Anmeldung: www.berlin-spart-energie.de, ID-Nr. XD24

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