Berlin : Am Anfang stehen viele Fragen

Erste Tipps für die Heimsuche

Ingo Bach

Manchmal reicht ein Sturz und ein komplizierter Schenkelhalsbruch, oft ist es ein schleichender körperlicher Verfall oder eine fortschreitende Demenz – plötzlich wird ein Mensch zum Pflegefall.

Was dann? Die wichtigsten Fragen und Antworten, die am Anfang der Suche nach einem geeigneten Pflegeheim stehen:

WIE FINDE ICH EIN GUTES PFLEGEHEIM? Als ersten Schritt sollte man eine Vorauswahl von Heimen treffen, die man genauer unter die Lupe nehmen möchte. Die meisten Menschen gehen dabei nach lokalen Gesichtspunkten vor. Sie suchen die Nähe zum eigenen Kiez, um die sozialen Kontakte nicht zu verlieren, oder aber die Nachbarschaft zu Verwandten, um Besuche zu erleichtern. Deshalb ist der Berliner Pflegeheimvergleich auch nach Bezirken geordnet.

„Manchmal aber ist die Ausstattung des Heims das entscheidendere Kriterium, wenn es um bestimmte Pflegebedürftige wie Demenzerkrankte oder um Wachkomapatienten geht“, sagt Gabriele Tammen-Parr von der Diakonie-getragenen Berliner Beratungsstelle „Pflege in Not“. Eine erste grobe Orientierung bietet zum Beispiel die Pflegeheimliste der Senatssozialverwaltung (www.berlin.de/sen/soziales/pflege/angebot/langzeitpflege.html).

Auch in den Bezirkstabellen des Pflegeheimvergleichs finden Sie unter der Rubrik Spezialisierung die entsprechenden Angaben. Gerade bei Demenzerkrankten sollte man genau nachfragen, welches Angebot das Heim zur Verfügung stellt – und zwar möglichst konkret.

An einem Besuch in den ausgewählten Pflegeheimen schließlich führt aber trotz aller Vorbereitung kein Weg vorbei, sagt Martina Wilcke-Kros vom Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) Berlin-Brandenburg, der unter anderem für die Kontrolle der Heime zuständig ist. „Vor der Entscheidung sollte die sinnliche Erfahrung stehen.“ Das gelte zum Beispiel für den Geruch. Riecht es nach Urin, könne das ein Hinweis auf Qualitätsmängel sein, zum Beispiel, weil die Bewohner die Windeln zu lange am Körper tragen müssen oder die Toiletten nicht ausreichend gereinigt werden.

Natürlich hänge beim ersten Eindruck auch viel vom persönlichen Geschmack ab: „Manch einer bevorzugt ein architektonisch modernes Haus, andere wollen es altmodisch gediegen und gemütlich“, sagt Wilcke-Kros.

WELCHE FRAGEN SOLLTE MAN VOR DER ENDGÜLTIGEN ENTSCHEIDUNG STELLEN?

Haben Sie keine Hemmung, ausführliche Beratungsgespräche zu fordern: Es gibt in Berlin mehr Heimplätze als Pflegebedürftige. Die Heime konkurrieren untereinander und werden sich um neue Bewohner bemühen. Schon das ist ein Qualitätshinweis: Drückt man mir nur zwischen Tür und Angel einen Prospekt in die Hand, oder nimmt man sich Zeit für ein ausführliches Gespräch und zeigt bereitwillig das Haus? Noch besser sei es, wenn das Heim eine Referenzperson für Auskünfte stelle, der kein eigenes Interesse daran habe, einen Platz zu belegen, sagt Wilcke-Kros – entweder einen Bewohner oder einen ehrenamtlichen Mitarbeiter. Es lohnt sich auch zu fragen, ob die Pflegeeinrichtung Einblick in die Prüfberichte des MDK oder der Heimaufsicht gewährt – und nehmen Sie ein derartiges Angebot an, um etwas über die Stärken und Schwächen des Hauses zu erfahren. Dabei muss man jedoch damit rechnen, dass diese zum Teil umfangreichen Berichte für Laien nicht immer leicht verständlich sind. Bitten Sie dann im Heim um Hilfe.

Wichtig ist auch, ob es in dem Heim eine Bezugspflege gibt. Das bedeutet, dass jedem Bewohner eine Pflegekraft zugeteilt ist, die sich regelmäßig um ihn kümmert, Probleme löst und für Beschwerden ansprechbar ist.

Auch Wartelisten können „ein starker Hinweis auf eine gute Qualität in dem Heim sein, die sich herumgesprochen hat“, sagt Tammen-Parr. Die Dauer der Wartezeiten sei schwer vorhersehbar: „Wenn ein Heim voll belegt ist, dann kann da eigentlich nur ein Platz frei werden, wenn jemand stirbt.“

TEUER GLEICH GUT?

Trotz der Leistungen der Pflegeversicherung bleibt gerade in Pflegeheimen noch ein erheblicher Eigenanteil, den die Bewohner aufbringen müssen – und wenn sie dies nicht können, müssen die Angehörigen oder die Sozialhilfe einspringen. Im Schnitt kostete ein Pflegeheimplatz der Pflegestufe III im Jahr 2005 in Berlin 2220 Euro im Monat – die Pflegekasse zahlt davon aber nur 1432 Euro. Die Zuzahlungsspanne kann dabei erheblich größer sein, denn je nach Ausstattung verlangen Heime 3000 Euro und mehr im Monat.

Doch teuer gleich gut, diese Rechnung geht nicht auf, heißt es übereinstimmend beim MDK und der Beratungsstelle „Pflege in Not“. Die Qualitätsunterschiede seien zum Teil enorm – unabhängig vom Preis. Ingo Bach

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