Berlin : Am Anfang steht der Blick zurück

Herbert Grönemeyer in der ausverkauften Waldbühne

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„Stop“! Keinen Schritt weiter. So ein Bad in der Menge kann schmerzhaft sein, besonders wenn einer mit so viel Energie über die Bühne und dann hinaus auf den Laufsteg hetzt wie unser Herbert. Sein Schwung müsste eigentlich bis hinauf zur obersten Reihe der Waldbühne reichen, aber wohin sollten die Fans, die sie bis auf den letzten Sitz füllen, so schnell ausweichen. Da ist es doch besser, ein dickes „Stop“ auf den Boden des Stegs zu malen, auf dass Grönemeyer rechtzeitig innehalte in seiner Begeisterung.

Viertel vor acht war die Sonne gerade hinter den Bäumen verschwunden, als der Star des Abends zum ersten Mal aufging über dem Halbrund der Waldbühne. Das Publikum hatte sich da längst mit La Ola warmgeturnt, begeistert schon über diesen fantastischen Sommerabend, hochgestimmt, bevor Grönemeyer auch nur den ersten Ton gesungen hatte. Zwei Videowände flankierten die Bühne, das hatte es in der Waldbühne bei ihm noch nie gegeben. Es muss den Technikern einiges Kopfzerbrechen bereitet haben. In Leipzig hatten sie für die Bauten mindestens doppelt so viel Platz.

Wer hatte an diesem Abend, dem ersten von dreien, eigentlich wen besser im Griff? Grönemeyer sein Publikum oder die Fans ihren Star? Mit dem „Blick zurück“ hatte er sein Konzert eröffnet, noch vor geschlossenem Vorhang, hinter dem seine Musiker saßen, darunter auch ein Streicherensemble, das im zunehmendem Dunkel immer effektvoller angestrahlt wurde. Andere Songs von der „Mensch“Platte folgten, auf die Mega-Hits wie „Männer“ oder „Bochum“ musste man eine dreiviertel Stunde warten. Und erst nach einer Stunde kam „Der Weg“, geschrieben nach dem Tod seiner Frau Anna. Für viele seiner Fans etwas ganz Besonderes, ein Schlüssellied, bei dem sie Grönemeyer ganz nah an sich heranlässt. Dem sie in respektvoller Stille lauschen, fast andächtig, mancher auch mit Tränen. Nur hinterher, da bricht der Jubel los, keiner bleibt noch sitzen. Das Publikum und ihr Star – jetzt sind sie ganz eins. eric

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