Berlin : Am Boden

Schönefeld wurde abgesperrt, da lag ein verdächtiger Gegenstand im Müll. Und in Tegel fielen Flüge aus, weil woanders Security-Kräfte streikten.

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Schönefeld/Berlin - Es war nicht der beste Tag für Leute, die die deutsche Hauptstadt mit dem Flugzeug erreichen oder verlassen wollten. Schon tagsüber hörte man im Auto oder übers Smartphone-Radio die Ansagen: Bitte die Autobahnzufahrten Richtung Schönefeld umfahren, Johannisthaler Chaussee ist die letzte freie Abfahrt. Da war die Autobahn gesperrt, wegen der automatischen Höhenkontrolle im Tunnel zum Airport. Am späten Nachmittag dann war sogar die SXF-Zufahrt für Autos und Taxis gesperrt, wegen eines dubiosen Gegenstandes in einer der Mülltonnen vor dem Eingang zum Terminal C. Und in Tegel schüttelten derweil viele Passagiere beim Blick auf die Anzeigetafel den Kopf: Flug gestrichen, Flug annulliert, Flug verschoben. Das war wiederum die Folge von Streiks des Sicherheitspersonals an den Flughäfen Köln/Bonn und Düsseldorf.

Das half aber jenen Passagieren auch nicht weiter, die am Freitag Freunde, Familie oder Partner besuchen wollten oder dienstliche Termine hatten. In Schönefeld kamen etliche Reisende mit ihren Rollkoffern erst gar nicht im Wagen bis zum Terminalgebäude. Die Zufahrt und auch Teile des Flughafengeländes waren abgesperrt. Polizei und Bundespolizei waren im Einsatz wegen eines verdächtigen Gegenstandes in einem Mülleimer. Erst wusste niemand, was das war, und einige Fluggäste waren in Sorge, weil hier und da etwas von „Bombenstimmung“ geraunt wurde. Dann, nach getaner Arbeit der Entschärfer, gab es Entwarnung: Gefunden wurde ein noch original verpackter Airbag, mit Auslöser.

Seit 16.45 Uhr waren die Beamten in Schönefeld im Einsatz gewesen, gegen 17.40 Uhr gab es die Entwarnung. Jemand hatte den nagelneuen Airbag entweder arglos oder vorsätzlich in einem Mülleimer vor Terminal C entsorgt. Da so ein Airbag eine Gerätschaft enthalte, durch die sich das Luftkissen plötzlich aufbläst und die vielleicht auch anderes auslösen könne, mussten Techniker das Fundstück überprüfen, sagte Flughafensprecher Lars Wagner. Es hätte ja auch ein gefährliches Gut sein können. Der Flugverkehr lief aber reibungslos. Ob Passagiere, die auf den letzten Drücker kamen, womöglich ihren Flieger verpassten, war Freitagnacht nicht zu klären. Unterdessen staute es sich an einigen Terminals in Tegel. Fluggäste wollten umbuchen oder suchten nach Reisealternativen. Dass, die Sicherheitskräfte der anderen Airports streikten, wirkte sich auch auf den Flugverkehr im Norden Berlins aus.

Unterdessen machten die Regierungschefs Klaus Wowereit und Matthias Platzeck (beide SPD) erneut deutlich, dass sie keine Möglichkeit sehen, Flüge vom stark ausgelasteten Airport Tegel an den viel weniger frequentierten Flughafen in Schönefeld zu verlegen.

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