Berlin : Am Ende des Tunnels

In Lichtenrade folgt der Senat jetzt den Plänen der Bahn, die die Gleise der Dresdner Bahn ebenerdig legen will. Die Finanzierung ist trotzdem ungewiss

Klaus Kurpjuweit

Sechseinhalb Jahre lang haben Anwohner in Lichtenrade sich für einen Tunnel beim Wiederaufbau der Dresdner Bahn eingesetzt. Vergeblich. Nach langen Auseinandersetzungen stimmt jetzt auch der Senat den Plänen der Bahn zu, die Schienen ebenerdig durch den Ortsteil im Süden der Stadt zu legen. Der Senat fügt sich hier notgedrungen, denn Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) hat unmissverständlich klargemacht, dass es für den Bau eines Tunnels kein Geld aus der Bundeskasse geben wird. Ob nun tatsächlich gebaut wird, ist trotzdem fraglich. Die Dresdner Bahn steht nach Tagesspiegel-Informationen nämlich erneut auf einer Streichliste der Bahn.

Am Wiederaufbau der Strecke sollte schon längst gearbeitet werden. Auf ihr soll nach der Eröffnung des Flughafens Berlin-Brandenburg International (BBI) in Schönefeld ein Airport-Express den künftigen Hauptbahnhof mit dem neuen Flughafen-Abfertigungsgebäude verbinden – bei einer Fahrzeit von etwa 20 Minuten. Auch die Fernzüge aus Prag und Dresden sollten über diese Gleise zum Nord-Süd-Tunnel und weiter zum Hauptbahnhof geführt werden. Dafür ist der Tiergartentunnel der Bahn, in dem bereits die Gleise gelegt werden, mit vier Röhren gebaut worden. Ohne den für die Dresdner Bahn vorgesehenen Verkehr wäre der Tunnel weit überdimensioniert und damit viel zu teuer gebaut worden.

Das Genehmigungsverfahren für den Wiederaufbau der Dresdner Bahn, der einem Neubau entspricht, ruhte jedoch seit mehreren Jahren durch eine Blockade der Stadtentwicklungsverwaltung: Weil die Bahn und der Bund sich weigerten, die Mehrkosten für den geforderten Tunnel in Lichtenrade zu übernehmen, hat die Stadtentwicklungsverwaltung das Verfahren vier Jahre aufgehalten. Auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) hatte sich für den Tunnel in seinem Wahlkreis eingesetzt.

Die Bahn hat sich jetzt zu einer Zwischenlösung entschlossen. Demnach wird der Flughafen über die so genannte Anhalter Bahn, die durch Steglitz führt, erschlossen. Diese Strecke wird zurzeit wieder aufgebaut. An der Genshagener Heide sollen die Züge über eine neue Verbindungskurve auf den vorhandenen Außenring der Bahn wechseln, von dem sie vor dem Flughafen wieder abbiegen. Über diese neue Kurve können auch die Züge aus Prag undDresden den Hauptbahnhof erreichen – wenn auch auf Umwegen.

Weil auf den zwei Gleisen der Anhalter Bahn Fern- und Regionalzüge dann in kurzem Abstand aufeinander folgen, könnte ein Airport-Express nicht so oft fahren wie auf der Dresdner Bahn. Deshalb steht der Wiederaufbau der Dresdner Bahn weiter auf dem Programm. Für das Verkehrsministerium ist das nach Angaben einer Sprecherin schon ein großer Erfolg – auch wenn die Finanzierung unklar ist. Der Bau soll rund 200 Millionen Euro kosten. Die vorhandenen Bahnübergänge an der Säntisstraße, der Buckower Chaussee und der Bahnhofstraße werden durch Unterführungen ersetzt.

Im Genehmigungsverfahren, das jetzt nach dem Einlenken des Senats fortgesetzt wird, will Berlin gegen den ebenerdigen Bau der Gleise formal Einspruch erheben. Die Entscheidung trifft dann das Eisenbahn-Bundesamt.

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