Berlin : Am Ende stand der Brandstifter unter den Schaulustigen

Keiner der Bewohner wurde bei den drei Feuern in der Sonnenallee verletzt. Der Polizei gelang nach den Löscharbeiten noch ein Glücksgriff: Sie entdeckte in einer der Wohnungen viele Cannabis-Pflanzen

Tanja Buntrock

Gleich drei Feuer in der Sonnenallee soll der Brandstifter in der Nacht zu Montag gelegt haben. Er war so unvorsichtig, sich unter die Schaulustigen zu mischen. Dabei verhielt er sich auffällig, so dass die Polizei auf den 25-jährigen Neuköllner aufmerksam wurde. Bei der Befragung verstrickte der Mann sich in Widersprüche und wurde gegen 3.30 Uhr festgenommen. Der Tatverdächtige habe einen Eintrag als „amtsbekannter Pyromane“ in der Akte, hieß es bei der Polizei.

Zunächst hatten in der Nacht zu Montag rund 300 Quadratmeter Dachstuhl gebrannt. Das erste Feuer war um 23.12 Uhr in einem Altbau in die Sonnenallee 202 ausgebrochen. Die Dielen standen in Flammen. Nach einer halben Stunde hatten die Feuerwehrleute den Brand unter Kontrolle. Hier war bereits klar: Es war ein Brandstifter am Werk.

Nur wenige Zeit später musste die Feuerwehr erneut ausrücken. Das Feuer, das um 1.40 Uhr im Dachstuhl des Hauses in der Sonnenallee 201 ausbrach, war allerdings viel verheerender. „Die Flammen loderten richtig, es sah schlimm aus“, berichtet Ha N., vietnamesische Verkäuferin in einem Asia-Laden auf der gegenüberliegenden Straßenseite. „Ich hatte solche Angst“, sagt die Vietnamesin am Tag darauf noch immer völlig entsetzt.

120 Feuerwehrleute bekämpften die Flammen. Sie konnten allerdings auch nicht verhindern, dass das Feuer auf die angrenzenden Dächer übergriff. Die Polizei führte rund 30 Hausbewohner ins Freie, verletzt wurde niemand. Mitarbeiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) kümmerten sich um die Mieter. Wegen des starken Qualms erlitt einer der Feuerwehrmänner und ein Polizeibeamter eine leichte Rauchgasvergiftung.

Der dritte Brand in der Sonnenallee 200 brach erst am Montagnachmittag gegen 13 Uhr aus. Wie sich herausstellte, hat der Festgenommene auch diesen Brand zu verantworten: „Er hat das Feuer ebenfalls in der Nacht gelegt“, sagte ein Polizeisprecher. Allerdings handelte es sich hierbei zunächst um einen Schwelbrand. Das Feuer brauchte mehrere Stunden, um sich durch die Holzbalken zu fressen. Die Dachgeschoss-Wohnung, die Feuer fing, sei jedoch unbewohnt gewesen, sagte ein Feuerwehrsprecher. Hier waren die Feuerwehrleute besonders schnell am Einsatzort: Diejenigen, die noch mit dem Aufräumen des Brandschuttes auf der gegenüberliegenden Straßenseite beschäftigt waren, griffen sofort ein. Insgesamt löschten 20 Brandbekämpfer die Flammen.

Am Ende gelang der Polizei noch ein Glücksgriff: Während der Löscharbeiten des dritten Brandes entdeckten die Feuerwehrleute in einer der Wohnungen des Altbaus eine größere Menge Cannabis-Pflanzen. „Da kann man schon fast von einer Plantage sprechen“, sagte ein Polizeisprecher am Montagabend. Daraufhin wurden ein 36-Jähriger und ein 41-Jähriger festgenommen. Sie stehen im Verdacht, das Haschisch dort angebaut zu haben.

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