Berlin : Am Flughafen Tegel droht ein Taxi-Krieg

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Die Flughafengesellschaft will zum 1. August bei Taxifahrern, die den Flughafen ansteuern, kassieren, die Gewerbevertreter sind strikt dagegen und wollen sich „etwas einfallen lassen“, wie der Innungsvorsitzende Wolfgang Wruck sagte. Dem Flughafen droht nun ein Taxi-Krieg. Ortsunkundige haben es seit dieser Woche ohnehin schwer, am Flughafen ein Taxi zu finden. Vom Platz vor der Haupthalle sind sie verbannt worden, die Hinweisschilder wurden bereits entfernt, neue aber bisher nicht angebracht.

„Auf dem Flughafengelände warten zu viele Taxis“, sagte gestern Flughafensprecherin Rosemarie Meichsner. Sie verstopften mit Staus bis zur Autobahn in der Vergangenheit häufig die Zufahrt; Passagiere hätten so auch schon ihre Flüge verpasst. Deshalb schuf die Flughafengesellschaft einen neuen „Nachrückplatz“ mit 260 Plätzen. Die Investitionskosten in Höhe von mehr als einer Million Euro will sie sich wenigstens zum Teil vom Taxigewerbe zurückholen.

Wer den mit Schranken versehenen Platz nutzt, soll in diesem Jahr ab August 25 Euro zahlen, von 2003 an dann jährlich 70 Euro. Über diesen Platz müsse jedes Taxi fahren, das zum Terminal wolle, so Meichsner. Auf ihre Kosten komme die Flughafengesellschaft damit nicht, sagte Geschäftsführer Hans Döhring. Andere Flughäfen verlangten schon längst Geld von den Taxifahrern, die vom Flughafen profitierten.

In Frankfurt (Main) gebe es bei 43 Millionen Passagieren im Jahr nur 250 Taxiplätze, für die eine Gebühr in Höhe von 120 Euro fällig werde, in München seien die Taxifahrer bei 22 Millionen Passagieren und 200 Stellplätzen mit 110 Euro dabei und in Leipzig bei 2 Millionen Passagieren und 70 Plätzen mit 100 Euro. In Tegel gebe es dagegen bei 10 Millionen Passagieren 410 Plätze für die Taxis – bei 70 Euro Gebühr.

In Tegel warten aber die Taxis nicht nur auf Passagiere. Viele Fahrer fahren zum Flughafen, weil es in der Stadt kaum freie Stellflächen gebe, bestätigte Innungssprecher Wolfgang Wruck. Die Situation würde sich entspannen, wenn die Stadtentwicklungsverwaltung zusätzliche Stellplätze in der Stadt schaffe, so Wruck.

Gegen die Gebühren in Tegel wehre man sich nicht nur, weil es dem Gewerbe insgesamt bereits schlecht gehe. Wruck befürchtet auch einen Dominoeffekt. In anderen Städten, die am Flughafen kassierten, würden die Taxifahrer oft zusätzlich an Bahnhöfen oder anderen Orten zur Kasse gebeten.

Wruck lehnt auch die ursprüngliche Idee ab, von den Fahrgästen einen Flughafen-Zuschlag zu kassieren. Im Gespräch waren einmal pro Fahrt eine Mark. Dies hatte die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung ebenfalls zurückgewiesen. Nach Ansicht Wrucks ist die Flughafengesellschaft verpflichtet, die Plätze gratis bereitzustellen, denn die Taxis gehörten zum öffentlichen Nahverkehr. Tariferhöhungen lehnen die Taxivertreter derzeit generell ab.

Die Innung hat auch gegen den Wegfall der Stellplätze vor der Haupthalle protestiert. Hier dürfen jetzt nur noch Kunden aussteigen, die zum Flughafen fahren. Auf Fahrgäste warten ist nur noch Bussen der BVG vorbehalten. Wer den Flughafen im Taxi verlassen will, muss in den Innenbereich. Einsteigen darf man aber grundsätzlich immer nur an der Spitze der Fahrzeugschlange. Auch wer direkt vor der Tür ein freies Taxi findet, darf es nicht nutzen. Dies regelt eine besondere Rechtsverordnung. Bei Verstößen droht den Fahrern ein Bußgeld.

Ob sie auch für den „Nachrückplatz“ zahlen müssen, wird sich nach einem Gespräch mit der Stadtentwicklungsverwaltung in der nächsten Woche zeigen. Dass die Taxifahrer nicht mit sich spaßen lassen, hat bereits der damalige Verbandsvorsitzende Norbert Bleckmann erfahren. Er hatte die Gebühr in Verhandlungen mitgetragen. Bei den Neuwahlen zum Vorstand war er dann gescheitert. Klaus Kurpjuweit

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