Berlin : Am Freitag geht’s los: Hochbahn ist vier Monate dicht

Neue Brücke für die U 2 – Fahrgäste müssen zweimal umsteigen zwischen Alexanderplatz und Wittenbergplatz

Klaus Kurpjuweit

Pünktlich zum Ende der Ferien unterbricht die BVG den Verkehr auf einer ihrer wichtigsten U-Bahn-Linien. Von Freitag an fahren voraussichtlich vier Monate lang bis zum 21. Dezember auf der U 2 zwischen Wittenbergplatz und Gleisdreick keine Züge. Die Bahnhöfe Nollendorfplatz und Bülowstraße bleiben dicht. Auf diesem Abschnitt sind täglich bis zu 512 Züge unterwegs. Die 85 000 bis 100 000 Fahrgäste müssen sich nun neue Wege suchen (siehe Kasten).

Seit der Eröffnung der Hochbahnstrecke 1902 rollen die Züge am Gleisdreieck über die Brücken, die das Areal der Bahn überspannen. Die große Brücke über den Gleisen des ehemaligen Potsdamer Güterbahnhofs ist bereits zwischen 1991 und 1993 erneuert worden. Die Richtung Gleisdreieck anschließenden kleineren denkmalgeschützten Brücken über den Gleisen der Bahn, die heute zum neuen Nord-Süd-Tunnel führen, wurden damals dagegen nur entrostet und neu gestrichen. Der Neubau der großen Brücke war teurer geworden als vorgesehen, so dass woanders gespart werden musste. Die Planer hofften, dass die Bauten aus der Anfangszeit der Hochbahn noch einige Jahre halten würden, obwohl Stahlbrücken in der Regel nach etwa 75 Jahren am Ende sind.

So verzichtete die BVG auch darauf, gleichzeitig mit dem Wiederaufbau der Gleise für die Nord-Süd-Verbindung der Bahn ihre darüberliegenden Brücken zu erneuern. Weil für die Bahngleise ein Pfeiler der Hochbahn weichen musste, baute die Bahn für die BVG nur eine Hilfskonstruktion. Die bleibt auch jetzt bestehen, obwohl nun die alten Teile durch eine neue Konstruktion ersetzt werden. Im vergangenen Herbst hat die BVG bei ihren regelmäßigen Prüfungen festgestellt, dass es Risse in den alten Pfeilern und in den Brückenlagern gab, so dass die Brücke „gewandert“ ist, wie BVG-Bauchef Uwe Kutscher sagt. Seither dürfen die Züge hier nur noch mit 15 Stundenkilometern fahren. Ein Neubau war nun zwingend erforderlich.

Das Ziel, mit den Arbeiten unmittelbar nach der Fußball-Weltmeisterschaft Anfang Juli zu beginnen, ließ sich nach Kutschers Angaben nicht einhalten, weil die europaweite Ausschreibung viel Zeit erfordert habe. Den benötigten Stahl hat die BVG selbst bestellt. Die Brückenmontage übernehmen Krupp und eine Firma aus dem Harz, Schachtbau Nordhausen. Acht Millionen Euro werden die Arbeiten kosten; die alten Teile werden verschrottet und bringen so noch Geld in die Kasse.

Trotzdem musste die BVG wegen des Brückenneubaus andere Sanierungsprojekte verschieben. Unter anderem muss das Unternehmen in den nächsten Jahren auf vielen Linien undichte Tunnelanlagen sanieren. Auch die Hochbahngleise in Kreuzberg und entlang der Schönhauser Allee in Pankow sind noch nicht komplett erneuert. Beim Ausbau der Brücken müssen jeweils zwei der vier Gleise der Bahn, die ihren Betrieb dort erst Ende Mai aufgenommen hat, gesperrt werden. Einschränkungen im Fahrplan soll es trotzdem kaum geben.

Während jetzt die Gleise direkt auf der Brückenkonstruktion befestigt sind, liegen sie in Zukunft auf Schotter. Sie können dann besser auf Hitze und Kälte reagieren. Und die Züge fahren leiser und können dann sogar auf Tempo 50 beschleunigen.

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