Berlin : Am großen Rad drehen

Die Bar 25 hat Interesse am Spreepark Szenelokal am Ufer muss im September schließen

Nana Heymann/Ralf Schönball
Verwildert. Der Spreepark in Treptow ist seit Jahren verwaist. Foto: Kleist-Heinrich
Verwildert. Der Spreepark in Treptow ist seit Jahren verwaist. Foto: Kleist-Heinrich

Die Tage am bisherigen Standort an der Holzmarktstraße in Friedrichshain sind gezählt: Bis zum 12. September müssen die Betreiber der Bar 25 das Areal am Spreeufer räumen, weil dann die BSR mit den Sanierungsarbeiten auf ihrem Grundstück beginnen will und die Zeit der Zwischennutzung endet. Die Bar-Betreiber suchen unterdessen nach neuen Möglichkeiten, ihre Arbeit auch künftig fortzuführen. In diesem Zusammenhang interessieren sie sich für den Spreepark im Plänterwald in Treptow.

„Wir führen derzeit Gespräche mit dem Liegenschaftsfonds und dem Bezirk“, sagte Christoph Klenzendorf, einer der Betreiber der Bar 25, auf Nachfrage. Es gebe verschiedene Ideen zur Nutzung des knapp 30 Hektar großen Spreeparks. Unter anderem seien Clubs, Restaurants und Hostels auf dem Gelände denkbar; konkretere konzeptionelle Details wollte Klenzendorf nicht verraten. Er betonte jedoch, dass die Gesprächspartner dem Vorhaben wohlgesinnt und offen gegenüberstehen.

Eine Wiederbelebung des seit acht Jahren brachliegenden Spreeparks scheint nun absehbar. Neben der Bar 25 gibt es zwei weitere Interessenten für das Areal: ein bislang namentlich nicht bekannter Projektentwickler sowie die aus Mecklenburg-Vorpommern stammende Kleist Project & Development GmbH mit ihrer Idee eines Historienparks.

Der Senat hat den Fall an seine Spezialisten für Grundstücksgeschäfte übertragen, an den Liegenschaftsfonds. Deren Chef Holger Lippmann aber sagte auf Anfrage: „Für uns besteht leider keine Möglichkeit, in irgendeiner Weise gestaltend einzugreifen, weil die Bank die Zügel in der Hand hält.“ Die Lage ist verzwickt: Das Grundstück gehört dem Land Berlin. Das hatte einen Erbpachtvertrag, der bis 2055 gilt, mit der Firma des spektakulär pleitegegangenen Norbert Witte geschlossen. Theoretisch ist also immer noch die Witte-Firma Besitzerin des Parks. Praktisch gehört das Areal einem Bankenkonsortium um die Deutsche Bank. Es hatte Witte zehn Millionen Euro geliehen. Möglichst viel davon will es nun zurück.

Deshalb blockiert das Konsortium nun die Zwangsversteigerung, die das Finanzamt Treptow-Köpenick bereits beantragt hatte. Auch das Finanzamt bekommt nämlich noch Geld von der Witte-Firma: Steuerschulden. Eine Zwangsversteigerung wäre für das Grundstück und für das Land Berlin ein Befreiungsschlag: Denn das Areal würde jener Bieter bekommen, der das meiste Geld für das Projekt riskiert. Weil die Banken aber fürchten, dass sie bei einer Zwangsversteigerung zu viel von ihren Forderungen abschreiben müssten, haben sie versucht, direkt mit dem Interessenten aus Mecklenburg-Vorpommern ins Geschäft zu kommen. Der will auf dem Areal einen Themenpark zur Menschheitsgeschichte bauen. Aber die Gespräche stocken – wegen des Geldes, heißt es bei Insidern.

Doch auch die Bar-25-Betreiber werden am Konzept feilen müssen. Der Bau von Hostels im Spreepark, der mitten in einem Naturschutzgebiet liegt, wäre beim Bezirk kaum durchzusetzen. Nana Heymann/Ralf Schönball

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