Berlin : Am Handy die Einsamkeit schildern

Franziska Felber

Deutschlands älteste Telefonseelsorge, die Telefonseelsorge Berlin, wird am heutigen Donnerstag 55 Jahre alt. Über eine Million Menschen haben seit der Gründung im Jahr 1956 ihre Nummer gewählt. Sechs hauptamtliche und rund 150 ehrenamtliche Mitarbeiter sorgen dafür, dass das Büro in der Neuköllner Nansenstraße an allen Tagen des Jahres rund um die Uhr besetzt ist. Das Jahr 2011 widmete die Einrichtung dem Thema „Männer – Krise – Sprachlosigkeit“. Denn bisher sind nur etwa ein Drittel der Anrufer männlich, während aber zwei Drittel aller Suizide von Männern verübt werden. Am heutigen Donnerstag veranstaltet die Seelsorge dazu eine Podiumsdiskussion im Tagesspiegel-Verlagshaus, die Plätze waren bereits früh vergeben.

Von Beginn an war einer der häufigsten Anlässe für Anrufe die Einsamkeit. Eine neue Entwicklung ist, dass immer mehr Hilfesuchende angeben, an einer psychischen Erkrankung zu leiden, meist an Depressionen. Seit der Erfindung von Handys seien die Krisensituationen noch unberechenbarer geworden, da sich Anrufer auch von unterwegs melden. Die Telefonleitung der Seelsorge wird am meisten nachts zwischen 21 und 3 Uhr beansprucht, und an Feiertagen. In einer 18-monatigen Ausbildung werden die Ehrenamtlichen auch für die Gesprächsführung in Ausnahmesituationen geschult.

Angefangen hat alles 1956 in der Privatwohnung des evangelischen Pastors Klaus Thomas, am Zoologischen Garten. Zunächst hieß der Verein Ärztliche Lebensmüdenbetreuung. Heute ist das Krisentelefon bundesweit unter dem Dachverband Telefonseelsorge Deutschland organisiert und überall über die kostenlose Rufnummer 0800 111 0 111 erreichbar. Jährlich gehen mehr als zwei Millionen Anrufe ein. 105 Annahmestellen stehen zur Verfügung, das Berliner Büro ist für die Stadt und Teile Brandenburgs zuständig. Franziska Felber

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