Berlin : Am helllichten Tag abtransportiert

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Von dem am Sonnabend verschwundenen Gedenkstein für Marinus van der Lubbe fehlt noch jede Spur. Nach Polizeiangaben ermittelt in diesem Fall auch der Staatsschutz. Eine holländische Initiative hatte den Stein für den mutmaßlichen Reichstagsbrandstifter am 27. Februar vor dem Deutschen Theater aufgestellt. Da die Initiatoren für den gewünschten Standort am Reichstag keine Genehmigung erhalten haben, präsentierten sie das Denkmal vorläufig auf einer Palette vor dem Eingang des Theaters.

Von dort haben Unbekannte den 950 Kilo schweren Stein am Sonnabend abtransportiert - am helllichten Tag. Vormittags hatte eine Dramaturgin das Denkmal noch gesehen. Als eine Besuchergruppe den Stein gegen 15 Uhr besichtigen wollte, war er verschwunden. "Er muss etwa zwischen 12 und 15 Uhr gestohlen worden sein", sagt Klaus Siebenhaar vom Deutschen Theater. Ohne Gabelstapler und Kleintransporter ist der Abtransport des Steins kaum denkbar. Passanten hätten das wohl für einen normalen Vorgang gehalten, mutmaßt Siebenhaar.

Über die Motive der Täter ist nichts bekannt. "Erst habe ich gedacht, dahinter steckt der ungewöhnliche Einfall eines Künstlers", sagt Gerhard Brack, der Berliner Korrespondent der Stiftung "Ein Grab für Marinus van der Lubbe". Auch in Holland herrscht Ratlosigkeit. "Wir können das nicht verstehen", sagt Martin Schouten, der Vorsitzende der Stiftung. "Das ist einfach traurig." Wenn jemand gegen das Gedenkprojekt protestieren wollte, hätte er den Stein doch einfach zerstört. Das von den Künstlern Sluik und Kurpershoek entworfene Denkmal habe auch einen gewissen Sammlerwert, betont Siebenhaar. Die Stiftung hat inzwischen Anzeige erstattet. "Wir hoffen, dass der Stein wieder auftaucht", sagt Brack. Und wenn nicht? Wie es dann weitergeht, darüber mag jetzt noch niemand nachdenken. Von ihrem Gedenkprojekt lassen sich die Initiatoren aber nicht abbringen.

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