Berlin : Am Ku’damm soll’s moderner werden

Senatorin Junge-Reyer will die Entwicklung zur Chefsache machen Dem Bezirk könnten damit wichtige Planungsverfahren entzogen werden

Christian van Lessen

Der Senat will der City-West mehr Aufmerksamkeit schenken. Was dem Pariser Platz und der historischen Mitte zugebilligt wird, könnte nun bald auch für den Kern der westlichen Innenstadt mit Kurfürstendamm, Bahnhof Zoo, Breitscheidplatz und Tauentzienstraße gelten: Die City-West soll zu einem „Gebiet von gesamtstädtischer Bedeutung“ werden, hat die Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) vorgeschlagen.

Der City-Bereich hat zwar die belebtesten Einkaufsstraßen der Stadt, aber baulich wirkt er stellenweise vernachlässigt. In einem Gebiet von gesamtstädtischer Bedeutung kann der Senat wichtige Planungs- und Genehmigungsverfahren an sich ziehen, städtebauliche Ziele besser durchsetzen. So müsste der Bezirk – wie es aus der Senatsbehörde heißt – „nicht alles allein machen“. Die Senatorin betont jedenfalls, sie wolle sich mehr um die City-West kümmern, die rot-rote Koalitionsrunde hat dem zugestimmt. Ob das bedeutet, dass man sich in den letzten fünf Jahren zu wenig um dieses Gebiet gekümmert habe, wollte die Senatorin nicht beantworten.

Wie das „Kümmern“ für die West-City im Einzelfall aussehen soll, war von der Senatorin am Freitag nicht zu erfahren. Ihre Sprecherin Petra Rohland erklärte, Einzelheiten müssten noch geklärt werden. Es gehe beispielsweise um die Stärkung des Einzelhandels, der Hotels, der Geschäftsstraßen und der „Orte für Kultur“. Des weiteren wolle sich der Senat intensiver um die Weiterentwicklung des City-Geländes der Technischen Universität kümmern, den Wissenschaftsstandort „weiterqualifizieren“. Die TU plant unter anderem an der Müller-Breslau-Straße ein Gründerzentrum. Wichtig sei aber vor allem eine Verbesserung der Situation rund um den Bahnhof Zoo. Die Senatorin wolle bei den angekündigten Umbauplänen der Bahn – etwa auch bei der Gestaltung des Hardenbergplatzes (siehe Bericht rechts) mitwirken und sie politisch unterstützen. Dies sei unabhängig von den Riesenrad-Plänen am Zoo, heißt es.

Der Senat will sich auch bemühen, mit Investoren ins Gespräch zu kommen und versuchen, Projekte „anzuschieben“. Die kürzliche Schließung des Autotunnels am Breitscheidplatz wird als ein erster Schritt bezeichnet. Beispiele für stockende Projekte aber gibt es genug: Seit bald 15 Jahren wird über den Bau des „Zoofenster“-Hochhauses zwischen Kant-, Hardenberg- und Joachimstaler Straße diskutiert. Das Projekt wurde mehrfach architektonisch verändert, Investoren sprangen ab, neue kamen, doch die Baugrube blieb bis heute leer.

Auch der Hochhaus-Komplex auf dem Gelände des Schimmelpfeng-Hauses kommt seit über zehn Jahren nicht aus der Planungsphase heraus. Der Gebäudekomplex „Zoobogen“ mit dem Hochhaus am Zoo, dem Zoopalast und dem sogenannten Bikini-Haus am Breitscheidplatz müsste dringend modernisiert und umgebaut werden – die Bauherren wollen mit den Arbeiten allerdings nicht beginnen, bevor potente Nutzer gefunden sind – zumal rund um den Breitscheidplatz fast 70 000 Quadratmeter Bürofläche leer stehen. Sichtbares Beispiel hierfür ist seit Jahren das neue „City-Light-House“ an der Ecke Kant- /Joachimstaler Straße.

Charlottenburgs Bürgermeisterin Monika Thiemen (SPD) sieht in den Koalitonsvereinbarungen ein „Signal, den Standort zu verbessern“, die City „vital zu halten“. Dazu gehöre auch der Fernbahnhof Zoo. Sie glaube nicht, dass ihre Verwaltung Zuständigkeiten verliere. Immobilienexperte Boris Kupsch meint, der Senat könne sich gleich am Breitscheidplatz engagieren. Es sei sinnvoll, wenn sich eine „höhere Stelle“ bei der Kirche dafür einsetze, das „Budendorf“ abzubauen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar