Berlin : Am sichersten laufen Schweizer Uhren

Werner Schmidt

Die Flucht vor dem Euro führt zunehmend in die Schweiz. Zollfahnder haben festgestellt, dass immer mehr betuchte Berliner ihr Geld in der Schweiz anlegen. Schmuck und Uhren sind besonders beliebte Mitbringsel aus dem südlichen Nachbarland. Diese verstärkte "Flucht in die Wertgegenstände", wie es der Leiter des Berliner Zollfahndungsamtes Thomas Schmidt nennt, wird seit etwa einem halben Jahr beobachtet.

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Der Euro kommt - Infos zur Währungsumstellung Dahinter könnte natürlich auch der Versuch stecken, Schwarzgeld - also nicht versteuerte Einnahmen - sicher anzulegen. Auf die hohe Kante legen lassen sich solche Mittel nicht ohne weiteres, am Schalter wird immer öfter nach der Herkunft gefragt. Banken müssen nach dem seit drei Jahren geltenden Geldwäschegesetz Einzahlungen ab 30 000 Mark registrieren.

Auch wer glaubt, sein Geld bei einer Urlaubsreise sicher außer Landes bringen zu können, kann sich im Sicherheitsnetz verfangen: Wird ein Reisender am Flughafen oder der Grenze nach mitgenommenem Geld gefragt, muss er wahrheitsgemäß antworten. Tut er dies nicht, macht er sich strafbar und muss mit einem unangenehmen Ermittlungsverfahren von Staatsanwaltschaft und Finanzamt rechnen.

Zoll und Polizei haben ihre gemeinsame Ermittlungsgruppe seit Anfang Oktober personell deutlich aufgestockt, denn die Verdachtsanzeigen von Banken und Zoll an den Grenzen sind um 20 bis 25 Prozent gestiegen. Nicht immer sind es deutsche Geschäftsleute, die sich dem Verdacht aussetzen, verdientes Geld an der Steuer vorbei in Sicherheit bringen zu wollen. Auch viele Vietnamesen transferieren große Summen in die Heimat. Die Vermutung, es könne sich dabei um Verdienste aus dem illegalen Zigarettenhandel handeln, liegt nahe, muss aber erst bewiesen werden. Genauso gut könne die Erklärung stimmen, es handele sich um das unter Landsleuten gesammelte Geld zur Unterstützung von Familienangehörigen in der Heimat, sagt Thomas Schmidt. Im Gegenzug gibt "es auch eine Menge Osteuropäer, die große Bargeldsummen nach Deutschland bringen, um hier Autos zu kaufen", berichtete der Chef der Zollfahnder. Besonders beliebt sei der Geländewagen mit dem Stern aus Stuttgart. Schmidt ist sich nicht sicher, ob mit dem nach Deutschland transportierten Geld dann tatsächlich Autos gekauft und ausgeführt werden - oder ob Geld gewaschen wird.

Bekannt ist dagegen, dass Touristen in den vergangenen sechs Monaten deutlich mehr wertvolle Schmuckstücke hauptsächlich aus der Schweiz nach Berlin gebracht haben, als in den Monaten davor. Der Zoll an Flughäfen und Grenzen meldete allein 600 Fälle. Wegen des Verdachts der Geldwäsche wird nun in rund 60 Fällen ermittelt. Die Schmuckkäufer wurden dabei in den meisten Fällen Opfer ihrer Geldgier: Sie ließen sich nämlich die in der Schweiz gezahlte Steuer bei der Ausreise erstatten, vergaßen aber, das Schmuckstück bei der Rückreise nach Deutschland zu verzollen.

"Oft wussten wir schon kurz nach dem Abflug eines Flugzeugs Richtung Berlin, dass darin ein Reisender mit einem wertvollen, aber unverzolltem Schmuckstück sitzt", sagte Schmidt. Den wenigsten ist nämlich bekannt, dass der Schweizer Zoll in solchen Fällen den deutschen Kollegen einen diskreten, aber bestimmten Hinweis gibt. Personalien werden nicht mitgeteilt, eine Personenbeschreibung reicht für die erfahrenen Zöllner allemal.

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