Berlin : Am Sonnabend werden 26 000 Kinder eingeschult - Xalia und Sofie sind darunter

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"Doch, ich freue mich", sagt Sofie Wirth und lächelt verstohlen unter sonnensprossiger Nase. Ihr großer Tag ist ganz aufregend nahe gerückt: Ab Morgen sind sie und ihre Tischnachbarin Xalia Stanko nicht mehr die "Kleinen" im Schülerladen "Bunte Stifte" in Tiergarten. In der Übergangszeit zwischen Kindergarten und Schule hatten sie sich dort die Vormittage mit Bastelei vertrieben, bis die Schulkinder zum Mittagessen kamen. Damit ist ab Morgen Schluss. Zusammen mit ungefähr 26 500 anderen Berliner ABC-Schützen werden sie am Sonnabend eingeschult. Das sind weit weniger Erstklässler als im Vorjahr - ein Rückgang, der sich nach Angaben der Senatsverwaltung für Schule, Jugend und Sport aus dem Geburtenknick und aus dem anhaltenden Wegzug von Familien aus Berlin erklärt.

"Ein bisschen bin ich schon aufgeregt", sagt Sofie, und Xalia fügt souverän hinzu: "ist doch automatisch". Sie sei vor einer Woche, zu Schulbeginn, ganz besonders aufgeregt gewesen, vor Freude, "weil ich in die erste Klasse komme". Die letzten Tage haben sie mit den "bunten Stiften" aber so viel unternommen, dass sie gar nicht auf Schulgedanken kamen. Angst? "Nein, wovor denn", antwortet Sofie verwundert. Ihre zwei Lehrerinnen und die Gotzkowsky-Schule in Tiergarten hat sie schon kennen gelernt und ihre allerbeste Freundin in derselben Klasse.

Der erste Schultag ist trotzdem eine ungewisse, spannende Sache. Der Klebstoff läuft unbeachtet in zäher Spur aus der Tube, weil Xalia und Sofie über den ersten Schultag ihre Klebarbeiten vergessen haben. Es macht ihnen Spaß, sich vorzustellen, wie ihre Einschulung wohl ablaufen wird. "Also, erstmal werden wir eingeschult, und dann kriegen wir unsere Schultüten, und dann fangen wir gleich an, in die Schule zu gehen", ist sich Sofie sicher. "Nein, dann gehen wir erstmal nach Hause und feiern", entgegnet Xalia. "Dann fangen wir eben am nächsten Tag an", beharrt Sofie. "Aber da ist doch Sonntag!" Wie es in der nächsten Woche in der Schule weiter geht, wollen sich die beiden noch nicht so genau ausdenken. "Wir wissen ja nicht, wie toll das ist, schreiben und lesen zu lernen", sagt Sofie. "Ich glaube, die ersten paar Tage ist es ganz toll, aber wenn man dann schon alles kann und alles kennt . . ." Die Siebenjährige sieht dem Schulalltag eher gelassen entgegen.

Die Vorbereitungen für die ersten Tage auf der Schulbank haben Xalia und Sofie mit ihren Eltern längst getroffen. "Gestern habe ich mit meiner Mama dann noch den Schulranzen gekauft", erzählt Xalia, "einen karierten mit Hunden drauf." Sie hatte ihn schon vor Wochen in einem Geschäft ausgeguckt und war lange darum herumgeschlichen. Stifte, Radiergummi, Hefte - die Sechsjährige zählt beim Turnen im Matratzenkeller des Schülerladens im einzelnen auf, welche Utensilien sie in den Ranzen gepackt hat. Auch wer zu ihrer Einschulungsfeier in der Moabiter Grundschule kommt, weiß die kürzlich erst zugezogene Schönebergerin genau. Nur eins bleibt für die künftigen Erstklässler noch Geheimnis: Wie die Schultüte aussieht und was drin ist. "Soll ja eine Überraschung bleiben", sagt Sofie und rettet ihren Diamanten aus Klebstoff vom Papier.

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