Berlin : Am Volkstrauertag bleiben viele Märkte dicht – und eine Eisbahn

Mitte verbietet Öffnung, Spandau nicht. Trödelbasare müssen zwei Wochen aussetzen

Volker Eckert

Eislaufen am Volkstrauertag – was auf manchen Bahnen möglich ist, am Marlene-Dietrich-Platz ist es verboten. Am kommenden Sonntag und dem folgenden Totensonntag bleibt die Anlage auf Anordnung des Bezirksamtes Mitte geschlossen. Die Handhabe dafür liefert die Verordnung zum Schutz der Sonn- und Feiertage aus dem Jahr 1954.

„Wir hatten auf einen Kompromiss gehofft“, sagt Mark Münzing vom Unternehmen DaimlerChrysler, das die Eisbahn am Dietrich-Platz aufgestellt hat: Keine Musik, kein Glühwein, da kam man der Verwaltung entgegen. Die blieb aber hart. In der zuständigen Abteilung war gestern niemand für eine Stellungnahme zu erreichen.

Anders läuft es in Spandau. Heute eröffnet eine Freilufteisbahn am Fehrbelliner Tor, Ecke Askanierring. Bürgermeister Konrad Birkholz will von einer Schließung am Gedenktag gar nichts wissen: „Man sollte da nicht päpstlicher sein als der Papst.“ Durch ein Verbot würde doch kein einziger Kranz mehr auf den Friedhöfen niedergelegt. Er werde den Betreiber allerdings darauf hinweisen, die Musik etwas leiser zu drehen.

Übergeordnete Instanz in diesen Fragen ist in Berlin das Landeseinwohneramt. Dort hat Holger Petukat Verständnis für die Unnachgiebigkeit des Grünflächenamtes von Mitte: „Öffentliche Veranstaltungen sind an den stillen Feiertagen grundsätzlich nicht erlaubt.“ Was genau als öffentliche Veranstaltung zu sehen ist, vermag allerdings auch Petukat nicht auf Anhieb zu sagen. Straßenfeste etwa, aber dafür sei es ja jetzt ohnehin zu kalt. Außerdem Trödelmärkte.

Zwei der größten sind der an der Straße des 17. Juni und am Fehrbelliner Platz. Beide fallen an den kommenden beiden Sonntagen aus. Aus Friedrichshain-Kreuzberg heißt es dagegen: Alle Märkte offen. Das gilt auch für die Eisbahnen in Charlottenburg-Wilmersdorf. Im städtischen Horst-Dom-Eisstadion in Wilmersdorf und in der Deutschlandhalle läuft der Betrieb wie an jedem anderen Tag. In der Eishalle in der Neuköllner Oderstraße gibt es eine kleine Einschränkung: Hier darf man zwar die Schlittschuhe umschnallen, muss aber auf „Unterhaltungsmusik“ verzichten, wie es aus dem Bezirksamt heißt.

Volkstrauertag und Totensonntag gehören neben dem Karfreitag zu den „stillen Feiertagen“. Was darunter zu verstehen sei, hat sich laut Holger Petukat im Lauf der letzten Jahrzehnte stark verändert. Noch in den 60er Jahren sei im Radio „den ganzen Tag Trauermusik gelaufen.“ Diskotheken hätten an den vorangehenden Samstagen um Mitternacht schließen müssen. Heute erteilt das Einwohneramt gewöhnlich Sondergenehmigungen. Vorher werde geprüft, ob die Disko nicht in einem Wohngebiet oder in der Nähe einer Kirche liegt.

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