Berlin : "American Circus": Das Krokodil in der Loge

hema

Der Kreuzberger Baustadtrat Matthias Stefke begrüßte die Premierenbesucher im "American Circus" und bekam den ersten Beifall des Abends. Den hatte er sich verdient, überließ er doch dem Zirkus den Platz am Anhalter Bahnhof. Dass dort danach eine Sportanlage gebaut wird und damit inmitten Berlins kein Zirkus mehr seine Heimstatt findet, rief einige Buhrufe hervor.

Die verschluckte schnell der aufsteigende Nebel, der das amerikanisch-italienische Circus-Spektakel eröffnete. Amerikanisch schon das Tempo. Schlag auf Schlag füllten sich die drei Manegen, aus denen manchmal ein riesiges Oval wurde. So, als Karah-Kawak seine Alligatoren und Riesenschlangen zum Abendspaziergang frei ließ. "Ich will auch ein Krokodil", sagte eben noch eine in der Mittel-Loge, da hatte sie beinahe eines der Tierchen auf dem Schoß. Und die Premierengäste ihre Sensation. Zur Beruhigung: Am Anhalter Bahnhof wird niemand den Alligatoren als Dessert überlassen - den Nervenkitzel-Gag leistet sich Karah-Kawak überall. Friedlich-spielerisch dagegen präsentierte Flavio Togni seine "United Colors of Animals" - Tiger mit normalfarbenen, weißem und rosa Fell. Naja, bisschen rosa jedenfalls und bildschön allemal.

Das waren auch die vorgeführten Pferde - durch drei Manegen wirbelten die Rasseschönheiten - eine Freiheitsdressur vom Feinsten, wie später auch die "Klassische Hohe Schule" mit andalusischen Hengsten in orientalischer Kulisse. Klassische Zirkuskunst zelebrierte auch die Alex-Reitertruppe - auf Pferderücken jonglierten und sprangen sie, bauten menschliche Pyramiden - das sieht man heutzutage nur noch ganz selten im Zirkus.

Das gilt auch für die "Gibadulin", bei denen einer das auffängt, was drei ihm zuwerfen - Nachahmung nur mit Blechtellern empfohlen. Auch Elefanten fliegen im Circus; für deren Dressur bekam Flavio Togni schon mit 16 Jahren seinen ersten "Silbernen Clown".

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