Berlin : Amerika als Albtraum - die Comics von Daniel Clowes und Chris Ware

Christian Schröder

Die fettigen Haare kleben an der pickligen Stirn, müde Schweinsäuglein lugen hinter dicken Brillengläsern hervor, und darunter wölben sich gigantische Schneidezähne ins Gesicht: Superman sieht anders aus. Die seltsame Welt, die der amerikanische Comiczeichner Daniel Clowes entwirft, wird nicht von Superhelden bevölkert, sondern von deren Gegenteil: Super-Antihelden. Manchmal träumt sich Dan Pussey, der Klemmi mit dem übergroßen Kopf, hinüber zu seinen Idolen, zu Batman, Hulk und den anderen Marvel-Göttern. Dann wachsen ihm Flügel, dann kämpft er hoch über der Stadt mit den Außerirdischen, dann küssen ihn die schönsten Frauen. Aber wenn er aufwacht, hat er doch wieder nur die Gummipuppe aus dem Sex-Shop im Arm. Daniel Clowes, dem mit der seit 1989 erscheinenden Heft-Serie "Eightball" der Durchbruch gelang, ist einer der wichtigsten Erneuerer der US-Comic-Kunst. Mit Chris Ware, der seit 1993 seine "Acme Novelty Library"-Heftchen veröffentlicht, verbindet ihn nicht nur der Wohnsitz in Chicago, sondern auch die Liebe zu den Ausgestossenen einer Gesellschaft der Jungen, Schönen, Reichen. Ware erzählt von einsamen Alten, die sich zum Thanksgiving-Day einen Turkey-Burger bei McDonalds leisten oder von verlassenen Ehemännern, die ihre Tage vor dem Fernseher verdämmern. Bis zu 80 Panels versammelt Ware, ein Breughel des Comics, auf einer Doppelseite. Akribisch zeichnet er Motels, Einkaufscenter, Drive-In-Restaurants: eine Topographie des amerikanischen Alptraums.Daniel Clowes und Chris Ware signieren heute ab 16 Uhr ihre Comics im Comic-Laden "Modern Graphics", Oranienstraße 22

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