Amerika-Haus : Investor mit Herz für Kultur gesucht

Das Berliner Amerikahaus in Charlottenburg ist ein besonderer Ort, ein Brennpunkt der Zeitgeschichte. Ein Ort, der oft das Verhältnis der Deutschen zu den USA widerspiegelte. Jetzt soll es verkauft werden. Es gibt große Hoffnungen, dass das kulturelle Erbe fortgeführt wird.

Benedikt Baikousis
Amerika-Haus
Das Amerika-Haus. Zäune und Barrikaden schützen den Ort des Dialogs. -Foto: dpa

BerlinDas Berliner Amerika-Haus in der Hardenbergstraße soll verkauft werden - ein Symbol für die enge Beziehung zwischen Deutschland, aber vor allem Berlins zu den USA. Das Ausschreibungsverfahren des landeseigenen Gebäudes läuft bis Ende März 2009. Es habe Pläne gegeben, wonach die Bundeszentrale für politische Bildung die traditionsreichen Räume nutzen könne, doch die seien jetzt endgültig vom Tisch, sagt Anette Mischler, Sprecherin des Liegenschaftsfonds Berlin. Wer jetzt aber befürchtet, dass hier demnächst Schuhe oder Brötchen verkauft werden, kann aufatmen: "Es wird ein Investor gesucht, der das kulturelle Erbe des Amerika-Hauses fortsetzt", verspricht Mischler.

Das Amerika-Haus in Berlin war einer von vielen Stützpunkten, von dem aus die Supermacht in den 1950er Jahren eine Charmeoffensive gestartet hat. Mitten im Kalten Krieg sorgten sich die USA um ihr Ansehen in der Welt. Deshalb sollte die 1953 gegründete United States Information Agency Imagepflege im Ausland betreiben, also die US-Politik erklären, sowie ihre Akzeptanz fördern. Speziell in Deutschland ging es aber auch darum, Vorurteile aus der NS-Zeit gegenüber den USA abzubauen. 1957 zog die Agency in das Amerika-Haus in der Hardenbergstraße. Zu ihrem Angebot gehörten unter anderem eine Bibliothek, ein Kinosaal und kulturelle Veranstaltungen.

Ort des Dialogs und des Protests

Doch alle Kulturarbeit konnte nicht verhindern, dass das Ansehen der USA von den Kriegen in Vietnam und im Irak stark in Mitleidenschaft gezogen wurde. Und die Menschen, die ihren Unmut gegen den Krieg zum Ausdruck bringen wollten, suchten sich unter anderem das Amerika-Haus als Ort für ihren Protest aus - so in den 1960er und 70er Jahren und zuletzt 2003. Zäune und Barrikaden haben seit den ersten Demonstrationen ausgerechnet dasjenige Gebäude abgeschottet, in dessen Räumen eigentlich Brücken geschlagen und der transatlantische Dialog gefördert werden sollte.

Ein direkter Amerikabezug ist zwar ausdrücklich keine Vorgabe an den nächsten Nutzer. Doch es besteht die konkrete Hoffnung, dass es wieder zu einem Ort des Dialoges und des Kulturaustausches wird. Denn die kulturwirtschaftliche Nutzung soll vertraglich abgesichert werden. Nur was passiert, wenn sich kein Investor auftreiben lässt? Anette Mischler gibt sich da ganz optimistisch: "Wir gehen davon aus, dass wir jemanden finden".

0 Kommentare

Neuester Kommentar