• Amerikaner in Berlin: Der einzige Draht in die Heimat - Übers Internet halten viele US-Bürger Kontakt mit Familien und Freunden

Berlin : Amerikaner in Berlin: Der einzige Draht in die Heimat - Übers Internet halten viele US-Bürger Kontakt mit Familien und Freunden

Tim Stoltenberg

Vor den Bildschirmen im Internetcafé sind alle gleich. Auf den ersten Blick. Wer sich genauer bei "easyEverything" am Kurfürstendamm umschaut, entdeckt so manches besorgtes Gesicht. Viele, vor allem junge Amerikaner erkundigen sich via Internet über die Situation zu Hause oder überprüfen ihre elektronische Post auf Nachrichten aus der Heimat.

Die meisten hatten aus dem Fernsehen von der Katastrophe erfahren und anschließend versucht, die Angehörigen und Freunde telefonisch zu erreichen. Doch das Telefonnetz war hoffnungslos überlastet, so dass nur das Internet blieb, um an persönliche Informationen zu gelangen.

Mary Nessinger aus New York hatte großes Herzklopfen, als sie den elektronischen Briefkasten öffnete und die vielen Nachrichten von Freunden und Kollegen aus ihrer Heimatstadt entdeckte. Indem sie das erzählt, sitzt sie mit ihrem Kollegen Michael Ruszczynoski im Internetcafé Website in der Joachimstaler Straße. Die beiden Musiker sind mit ihrem Orchester zu Besuch in Berlin. Ihre Gedanken schweifen immer wieder zu den Freunden und Bekannten in New York. "That one is from my dad", erklärt Michael die E-Mail, die gerade auf dem Bildschirm erscheint. Besorgt unterrichtet der Vater von Italien aus seinen Sohn über die Vorkommnisse in New York und erkundigt sich wiederum, ob es schon Nachrichten von Freunden gebe.

Die gibt es zu hauf. Viele New Yorker haben so genannte Rundmails an viele Adressaten versendet, in denen sie kurz ihre Eindrücke von dem schrecklichen Ereignis schildern und über ihre eigene Situation berichten. Viele erkundigen sich auch bei den beiden, ob sie Nachrichten von gemeinsamen Bekannten hätten. Fassungslosigkeit, Wut und Trauer spricht aus den meisten E-mails.

In vielen Nachrichten ist aber auch von Dankbarkeit zu lesen, mit dem Leben davon gekommen zu sein. Zum Glück haben Mary und Michael noch keine Horrornachrichten erreicht. Dafür gab es eine kleine "Wundermail" einer Freundin, die im World Trade Center arbeitete. Mary Nessinger atmet erleichtert auf, nachdem sie die Nachricht gelesen hatte: Die Freundin erzählt, dass sie am Tag des Anschlags zufällig frei hatte und so der Katastrophe entging.

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