• Amerikanische Botschaft: Die Mannschaft ist bereit, was immer die Situation verlangt ...

Berlin : Amerikanische Botschaft: Die Mannschaft ist bereit, was immer die Situation verlangt ...

Elisabeth Binder

Das Kondolenzbuch auf der Homepage der amerikanischen Botschaft war gestern Mittag nicht mehr aufschlagbar. Es war so überfüllt mit Beileidsbekundungen, dass der Server zusammengebrochen ist. "Wir waren wirklich überwältigt", sagt Botschaftssprecher Mark Smith. Es müssen Zehntausende gewesen sein, die kondolieren wollten. Nachdem man in der vergangenen Woche das Kondolenzbuch Unter den Linden ausgelegt hatte, war man wegen des großen Andrangs dort auf die Idee mit dem Online-Kondolenzbuch gekommen. Am Freitag wurde es installiert, und bereits am Wochenende standen dort endlose Listen von Namen, die sich auf diesem Wege mit einem schlichten "Beileid" oder auch längeren Kommentaren eintrugen.

In der Botschaft selbst ist trotz der umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen der Arbeitsalltag wieder hergestellt. Nachdem die Botschaftsmitarbeiter von dem Angriff erfahren hatten, gab es in der vergangenen Woche zunächst umgehend eine Notfallbesprechung über die Sicherheitssituation der Botschaft. Vorerst arbeitete nur noch ein kleiner Teil der Mannschaft, diejenigen, die unbedingt präsent sein mussten. Alle anderen blieben zu Hause. Auch das Amerika Haus wurde geschlossen. Bis Freitag hatte sich die Arbeitssituation in der Botschaft wieder weitgehend normalisiert.

"Wie es nun weitergeht, wissen wir auch nicht", sagt Mark Smith. "Aber wir bereiten uns auf verschiedene Szenarien und Möglichkeiten vor." Die Atmosphäre, die unter den Botschaftsmitarbeitern herrscht, entspricht offenbar dem patriotischen Ruck, der unter allen Amerikanern derzeit zu spüren ist: "Wir sind bereit, unser Bestes zu geben, was immer die Situation von uns verlangt."

Auch der neue Botschafter Daniel Coats hatte nicht viel Zeit, sich in die neue Aufgabe einzuarbeiten. Er ist überhaupt erst seit dem 7. September in der Stadt. Von 1989 bis 1999 vertrat er den Bundesstaat Indiana im Senat. Dort war er Mitglied des Streitkräfteausschusses des Senats und Vorsitzender der Unterausschüsse für Militärpersonal sowie Luft- und Bodenstreitkräfte. Nach der Wahl George W. Bushs zum Präsidenten war er eine Zeit lang als möglicher Verteidigungsminister im Gespräch.

"Das Programm, das wir für die ersten zwei bis fünf Wochen für ihn aufgestellt haben, hat er in wenigen Tagen absolviert", erzählt Mark Smith. "Niemand hätte gedacht, dass er unmittelbar am Anfang vor 200 000 Berlinern würde sprechen müssen." Spontan hatte Bundespräsident Johannes Rau den Botschafter einen Tag nach der Katastrophe zur Übergabe des Beglaubigungsschreibens eingeladen, die ursprünglich erst am 26. September stattfinden sollte. Auf das übliche Zeremioniell, das Abschreiten der Ehrenformation und das Hissen der Flaggen, wurde dabei verzichtet, denn vor dem Schloss Bellevue hingen die deutsche und die amerikanische Flagge auf Halbmast. Im Anschluss an das Gespräch mit dem Bundespräsidenten dankte der neue Botschafter, wie bei späteren Gelegenheiten auch, mit warmen Worten für die vielen Beweise des Mitgefühls.

Die sind auch vor dem US-Konsulat in der Clayallee zu sehen, ein Blumen- und Kerzenteppich auf der Treppe und deutlich verstärkte Polizei-Präsenz. Die Konsulatsmitarbeiter hatten in den letzten Tagen besonders viel zu tun. Zum einen kamen Hilfeersuchen von amerikanischen Touristen, die wegen des unterbrochenen Flugverkehrs vorübergehend hier gestrandet waren. Es gab auch zahlreiche besorgte Anfragen von Amerikanern, die hier an Tagungen oder Veranstaltungen teilnehmen oder sie selber organisieren. "Wie sicher ist es hier?", lautete die häufigste Frage. Von besonderen Sicherheitsbedrohungen ist der Botschaft allerdings nichts bekannt. Inzwischen haben sich diejenigen, die ohnehin auf dem Heimweg waren, wieder auf die Reise begeben, die anderen sind geblieben.

Die Homepage der Botschaft wird derweil gut besucht bleiben. Die einen werden die Textdokumente amerikanischer Politiker noch einmal durchgehen wollen. Die anderen dem Impuls folgen, der so viele Berliner erfasst hat, für die die besondere Beziehung dieser Stadt zu den Amerikanern immer gegenwärtig ist: Sie werden sich ins Kondolenzbuch eintragen. Inzwischen ist das auch wieder möglich.

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