Berlin : Amerikas erste Adresse in Berlin – mit Sicherheit

Feierlicher Spatenstich am Pariser Platz: In drei Jahren soll die US-Botschaft fertig sein

Matthias Oloew

Es ist der berühmteste Ausspruch des im Juni verstorbenen Ex-Präsidenten Ronald Reagan, der gestern am Pariser Platz immer wieder zitiert wurde: „Mister Gorbachev, tear down this wall“, hatte Reagan bei seinem Berlin-Besuch 1987 gesagt: Reißen Sie die Mauer nieder, Herr Gorbatschow. Und es war auch Reagan, der 1987 den 6. Oktober zum Tag der Deutsch-Amerikaner, zum „german-american day“, erklärte. Mit diesem Datum erinnern die Amerikaner an die ersten Einwanderer aus Deutschland, die an diesem Tag vor 321 Jahren Amerika erreichten. Es war also konsequent von US-Botschafter Daniel R. Coats, diesen Tag für den symbolischen ersten Spatenstich für den Neubau der US-Botschaft zu wählen und gleichzeitig an Reagan zu erinnern.

Eine feierliche, aber schlichte Zeremonie gab es: fünf Ansprachen, zwei Nationalhymnen, gespielt von Musikern der Hochschule Hanns Eisler, dann der obligatorische Spatenstich. Botschafter Coats wie auch Bundesinnenminister Otto Schily würdigten die deutsch-amerikanischen Beziehungen und die Entscheidung der USA, mit dem Neubau an den Standort der Botschaft aus den 30er Jahren zurückzukehren.

Schily erinnerte an die besondere Verbundenheit beider Völker. „Wir haben es zuallererst unseren amerikanischen Freunden zu verdanken, dass wir heute auf dieser Seite des Brandenburger Tores stehen können.“ Dafür gab es Applaus der Feiergemeinde. Die Ehrengäste schmunzelten, als er mit Blick auf die Beziehungen zu Frankreich und die künftige Adresse am Pariser Platz sagte: „Ich hoffe, dass ihnen die neue Adresse künftig keine Schwierigkeiten machen wird.“

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit ist überzeugt, dass die neue Botschaft trotz aller Sicherheitsvorkehrungen „ein offenes Haus ist, in dem sich Amerika präsentieren wird“. Es sei richtig, die Botschaft an dieser Stelle zu errichten. In diesem Zusammenhang erinnerte der Staatssekretär im Außenministerium, Klaus Scharioth, an den satirischen Ausspruch eines amerikanischen Fernseh-Moderators: „Alles ist für uns an dieser Stelle akzeptabel, so lange wir nicht den Verkehr behindern.“ Ein feinsinniger Seitenhieb auf die Jahre währende Debatte um den Standort und die Sicherheitsanforderungen für den Bau.

Die wichtigste Voraussetzung für den Neubau ist schon geschaffen: Der Autoverkehr fließt bereits über die nach Süden verschwenkte Behrenstraße. Dadurch entsteht rund um die Botschaft ein mit massiven Pollern abgesicherter 25 Meter breiter Sicherheitsstreifen. Trotzdem versprach Charles E. Williams vom Department of State, dass der Bau nicht hermetisch abgeriegelt sein werde. Durch den verglasten Eingang zum Konsulat an der Ecke Behren- und Ebertstraße würden Fußgänger Kunst von Sol LeWitt sehen können. Im Innern der Botschaft werden außerdem Arbeiten von Christo, Robert Rauschenberg und Andy Warhol aufgehängt. Im November 2007 sollen die Bauarbeiten, an denen bis zu 200 Berliner Bauleute mitarbeiten werden, beendet sein. Im Frühjahr 2008 ist die feierliche Eröffnung geplant.

John Ruble vom Architekturbüro Moore Ruble und Yudell sagte: „Ich bin froh, dass wir mit unserem Entwurf zur Reparatur der Stadt beitragen können.“ Der Entwurf orientiere sich stark an Vorbildern klassischer europäischer Bürobauten. Mit dem US-Botschaft wird die letzte Baulücke am Pariser Platz geschlossen. Nur die Akademie der Künste ist noch nicht fertig. Sie soll nach langer Bauverzögerung im kommenden Frühjahr eröffnet werden.

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