Berlin : Amerikas Reaktion: Gysi für begrenzte Militäraktion

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Der PDS-Spitzenkandidat Gregor Gysi hat sich am Montagabend in einer "Berlin-Rede" mit den terroristischen Anschlägen in den USA auseinandergesetzt. Gysi sprach sich vor 250 Gästen in der Nikolaikirche für den Einsatz militärischer Aktionen aus, wenn diese erstens zur Ergreifung der "georteten Täter" führen, zweitens das jeweilige Land, die jeweiligen Länder einer Auslieferung der Attentäter nicht zustimmen und drittens die Zivilbevölkerung nicht gefährdet würden. Dem Beschluss der Nato zum Bündnisfall in der vergangenen Woche steht Gysi kritisch gegenüber.

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Osama bin Laden: Amerikas Staatsfeind Nummer 1 gilt als der Hauptverdächtige "Die Bilder aus den USA lassen mich nicht los. Ich bin entsetzt und niedergeschlagen. Diese reaktionäre Verachtung menschlichen Lebens macht mich nahezu hilflos, und ich teile die Angst vieler Menschen vor einer möglichen Spirale von Gewalt und Hass." Die alte Welt könne nicht mehr weiter existieren wie gewohnt. Deshalb müsse sich auch das Nachdenken über Berlin verändern. Jede Partei müsse jetzt deutlich machen, wie Friedens- oder Kriegspolitik aussieht. Nichts könne den Terror rechtfertigen. "Der Kampf gegen den Terrorismus lässt sich gewinnen, der Krieg dagegen nicht." Es gehe vielmehr um eine demokratischere und gerechtere Welt- und Wirtschaftsordnung. Zivilisation könne nur zivilisiert verteidigt werden.

Mit Blick auf die Hauptstadt forderte Gysi eine Politik ohne soziale Spaltung, Ausgrenzung, geistige Abschottung, Intoleranz und Gewalt. Nur auf einer solchen Basis könne ein zukunftsfähiges Gemeinwesen gebaut werden. Der PDS-Politiker sprach sich ferner für Alternativen zur Berliner Geschlossenheit aus, die in seinen Augen die "tiefste Wurzel für Misswirtschaft und Filz" ausmacht. Er schlug überdies vor, die Spreeinsel in Mitte als Projekt "Stadt des Wissens" zu realisieren.

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