Berlin : Ampeln werden jetzt aus dem Flughafen gesteuert

In einer neuen Zentrale sehen Polizisten, was mehr als 100 Kameras auf Berlins Straßen einfangen – und können darauf reagieren

Jörn Hasselmann

Die Bewährungsprobe steht im nächsten Jahr bevor – wenn die Stadt zur Fußballweltmeisterschaft dicht sein wird. Gestern wurde Europas modernste Zentrale zur Verkehrsregelung eröffnet. Von den Computern im Tempelhofer Flughafen werden ab sofort 2000 der 2200 Ampeln der Stadt zentral gesteuert. Zudem werden auf einem 20 Quadratmeter großen Display alle Staus und Stockungen angezeigt – wenn sie denn automatisch erfasst wurden. Zudem erlauben Monitore den direkten Blick über 100 Kameras auf die wichtigsten Kreuzungen, Tunnel und Autobahnen. Aus der Verkehrsregelungszentrale werden auch die so genannten Verkehrsbeeinflussungsanlagen gesteuert, das sind die Stahlbrücken über den Autobahnen und der Heerstraße, die elektronische Geschwindigkeitsanzeigen und Spursperrungen ermöglichen.

Einen Stau auflösen könne jedoch auch diese moderne Technik nicht, sagte der Leiter der Zentrale, Eberhard Müller, gestern. Man könne jedoch versuchen, „hinter“ dem Stau durch andere Ampelschaltungen den Verkehr in eine andere Richtung zu lenken.

Auf der riesigen Leinwand in Tempelhof ist die Verkehrsdichte von etwa 1500 Kilometer der Berliner Straßen zu sehen. Fließt der Verkehr, leuchten sie grün, rollt es nur noch mit Tempo 20, springt die Anzeige auf Gelb, unter Tempo 10 dann auf Rot. Die Polizisten haben also einen schnellen und vollständigen Überblick. Gestern eröffnete Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer die Anlage – und ob des beginnenden Nachmittagsberufsverkehrs sprangen die ersten Straßen auf Gelb und Rot.

Bis zur Fußballweltmeisterschaft soll ein zusätzliches Computerprogramm die Verkehrslenkung auf so genannten Protokollstrecken übernehmen – etwa für die Strecke vom Adlon zum Olympiastadion. „Mannschaften und Offizielle sollen schnell ins Stadion kommen“, sagte Junge-Reyer, „ohne andere Verkehrsteilnehmer zu beeinträchtigen“. Trotz der neuen Zentrale können Protokollstrecken für Staatsgäste nicht separat geschaltet werden, die Ampeln werden hier wie gehabt ausgeschaltet. Wie es hieß, sei nicht einmal sicher, ob die Zusatz-Software rechtzeitig zur WM fertig wird.

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