Amt für Statistik in Berlin : Die Pankower sind am fleißigsten

Laut einer offiziellen Statistik wird in Pankow am meisten gearbeitet und in Neukölln am wenigsten. Unser Autor wundert sich, wie sich die Arbeitsmoral nach Bezirken unterscheidet.

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Schufften für Berlin. Hier Bauarbeiter vor der Akademie der Künste. Foto: Mike Wolff
Schufften für Berlin. Hier Bauarbeiter vor der Akademie der Künste. Foto: Mike WolffFoto: Mike Wolff

Winston Churchill soll mal gesagt haben, er traue nur solchen Statistiken, die er selbst gefälscht hat. Aber der britische Premierminister war ja auch ein mächtiger Staatsmann. Wir einfache Berliner müssen uns an das halten, was das Landesamt uns so liefert. Aber siehe da, kaum zu glauben, auch dessen Statistiken eignen sich vortrefflich dazu, Vorurteile zu belegen.

Nehmen wir die neusten Zahlen zu den durchschnittlichen Arbeitszeiten, die keineswegs gleichmäßig, sondern ganz ungerecht über die Stadt verteilt sind. Am wenigsten arbeitet – na? – der Neuköllner: 33,2 Stunden in der Woche. Wen wundert’s, bei den vielen Bars in Kreuzkölln. Und in welchem Bezirk schaffen sie am meisten?

In Zehlendorf arbeiten die Männer mehr als die Frauen

Klar doch, in Pankow, wo man angeblich doch eh nur Latte trinkend am Spielplatz hockt. Die Realität ist die: Mit 37,4 Stunden in der Woche sitzen die Pankower berlinweit am längsten am Schreibtisch. Und die Frauen? Nun, da sieht es anders aus, ganz anders – und das nicht nur in Pankow: Gut vier Stunden weniger als ihre männlichen Kollegen schuften die Berlinerinnen landesweit.

In Steglitz-Zehlendorf hocken die Herren der Schöpfung sogar fast einen Arbeitstag (7 Stunden) mehr pro Woche im Büro. Vielleicht weil sich im wohlhabenden und angegrauten Südwesten Rollenklischees aus dem verflossenen Jahrhundert (die Haus hütende Ehefrau) am hartnäckigsten halten? In Mitte jedenfalls arbeiten Frauen fast so viel wie Männer. Aber das ist Spekulation, Statistiker lassen lieber Fakten sprechen: Fast so fleißig wie in Pankow sind die Berliner auch in Marzahn-Hellersdorf – und im Vergleich zum Vorjahr haben wir alle auch nicht nachgelassen: 35,6 Stunden arbeiten die Berliner pro Woche, ein paar Minuten mehr als 2013. Na bitte

Und so sieht es in Brandenburg aus:

COTTBUS SCHNAUFT DURCH
In Brandenburg hatten Erwerbstätige aus Teltow-Fläming (37,9 Stunden) die höchste durchchschnittliche Wochenarbeitsstundenzahl, dahinter folgte Dahme-Spreewald (37,5 Stunden). Cottbuser Erwerbstätige leisteten dagegen im Brandenburger Vergleich am wenigsten Arbeitsstunden (34,1 Stunden).

UCKERMÄRKER PACKEN AN
Die erwerbstätige Brandenburger
Bevölkerung arbeitete 2014 im Durchschnitt 36,7 Stunden (2013: 36,8 Stunden). Der stärkste Anstieg der geleisteten Arbeitsstunden fand in der Uckermark (+3,5 Prozent) statt. Größter Rückgang: Ostprignitz-Ruppin (–3,8 Prozent).

MANN, OH, MANN IN POTSDAM
Brandenburger arbeiteten mit 39,3 Stunden pro Woche mehr als die erwerbstätigen Brandenburgerinnen (33,9 Stunden). Dies lässt sich für alle Kreise zeigen. Männer und Frauen unterschieden sich in den pro Woche geleisteten Arbeitsstunden am deutlichsten in Potsdam-Mittelmark (6,8 Stunden), am geringsten in Brandenburg an der Havel (2,9 Stunden). Quelle: Amt für Statistik

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