Amtsenthebung : Degradiert: Staatsanwältin wehrt sich

Oberstaatsanwältin Vera Junker will sich gegen ihre Degradierung wehren. Sie fühlt sich zu Unrecht abgestraft.

Fatina Keilani
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Foto: ddp/Axel Schmidt

 "Es geht nicht nur um mich", sagte sie dem Tagesspiegel. "Der Einsatz als Verbandsvertreter sollte auch für Kollegen keine beruflichen Nachteile mit sich bringen." Junker war ihres Posten als Vizechefin der Hauptabteilung für Wirtschaftsstrafsachen vor zwei Wochen enthoben worden. Begründung: mögliche "Interessenkonflikte". Denn Vera Junker ist seit zehn Jahren Vorsitzende der Vereinigung Berliner Staatsanwälte. Sie gilt als kritisch und engagiert. Die Vereinigung der Staatsanwälte wirft Justizsenatorin Gisela von der Aue (SPD) nun in einem offenen Brief vor, die Degradierung sei eine "dienstliche Strafaktion", weil sich Junker heftig gewehrt hatte, als die Staatsanwälte vorübergehend in Räumen untergebracht werden sollten, die mit gesundheitsschädlichen Stoffen verseucht waren.

Die Justizverwaltung weist diesen Vorwurf zurück. "Die Staatsanwaltschaft regelt ihr Personalwesen allein", sagte von der Aues Sprecher Bernhard Schodrowski. "Wir kommentieren die Entscheidung nicht." Das sollten sie aber, meint der frühere Justizsenator und Grünen-Politiker Wolfgang Wieland. "Die Senatorin müsste sich einschalten. Es geht um die grundsätzliche Frage des Umgangs mit Verbandsvertretern." Junker sei laut und unbequem, aber darauf könne man nicht mit Degradierung reagieren.

Der Fall erinnert an andere Personalien. So wurde Oberstaatsanwalt Roman Reusch im Januar 2008 abgesetzt, nachdem er ein – genehmigtes – Interview gegeben hatte. Im Juni 2008 musste der langjährige Staatssekretär Christoph Flügge gehen. Gerade hat von der Aue im Rechtsausschuss ihren neuen Büroleiter vorgestellt, den dritten in drei Jahren, und auch der Pressesprecher ist schon ihr Dritter. "Frau von der Aue ist für eine unnachgiebige Personalpolitik bekannt", sagt CDU-Justizpolitiker Sven Rissmann. Allerdings ist auch Junker umstritten. Ein Mitarbeiter der Staatsanwaltschaft sagt: "Staatsanwälte hatten das Gefühl, in ihrem Beisein nicht offen sprechen zu können, weil Frau Junker alles für die Verbandsarbeit nutzt."

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