Amtsgericht Tiergarten : Prozess um Kindesmisshandlung geplatzt

Ein Prozess gegen die Eltern zweier Mädchen wegen Misshandlung ihrer Kinder ist nach kurzer Beweisaufnahme vor dem Amtsgericht Tiergarten geplatzt.

Berlin - Das Gericht setzte das Verfahren aus, um ein psychiatrisches Gutachten über die Mutter der Kinder erstellen zu lassen. Den Eltern wird vorgeworfen, in der Zeit von Januar bis Oktober 2005 die damals eineinhalb- und dreieinhalbjährigen Töchter mehrfach mit der flachen Hand oder mit Fäusten in Gesicht und Bauch geschlagen oder so heftig gestoßen zu haben, dass sie entweder gegen Tisch oder Balkontür "knallten".

Laut Anklage war es zumeist die Mutter, die ihre Kinder "quälte" und "roh misshandelte". So soll die 26-Jährige im August vergangenen Jahres auf der Straße einen Wutanfall bekommen haben, weil die dreieinhalbjährige Tochter nicht im Kinderwagen sitzen bleiben wollte. Der Staatsanwältin zufolge wurde das Kind von der Angeklagten als "fette Sau" beschimpft und dann geschlagen, wobei sie es an den Haaren festhielt, um die Schläge besser "platzieren zu können". Dabei sei sie von ihrem Lebensgefährten angefeuert worden.

Die Eltern haben im Prozess derartige Misshandlungen bestritten. Sie gaben jedoch zu, mit der Erziehung der beiden Mädchen überfordert gewesen zu sein. Nach Aussage des 34-Jährigen neigt seine Lebensgefährtin zwar zu verbalen Ausbrüchen. Die Misshandlungsvorwürfe seien aber "absurd", sagte er. Sie sei gar nicht der Typ dazu.

Der 26-Jährigen wurde in einem früheren Gutachten eine "leichte Intelligenzminderung" bescheinigt. Das Gericht ordnete an, dass die gelernte Hauswirtschafterin "sofort" in einer betreuten Wohneinrichtung unterzubringen ist und der Vater eine Familien-Einzelfallbetreuung erhält. Der 34-Jährige hat unterdessen das alleinige Sorgerecht für die jüngste Tochter, während das ältere Mädchen seit Oktober vorigen Jahres in einer Wohngemeinschaft betreut wird. Ein neuer Prozesstermin steht noch nicht fest. (tso/ddp)

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