Berlin : AMTSGERICHTSPLATZ

1. Amtsgerichtsplatz Foto: Tsp
1. AmtsgerichtsplatzFoto: Tsp

60 Schritte im Quadrat gefüllt mit Rasen, einem Dutzend Bäumen und je nach Jahreszeit ein paar Blumen: Das ist der Amtsgerichtsplatz in Charlottenburg. Dazu ein lTrampelpfad, der den Haupteingang des Amtsgerichts mit der Bushaltestelle an der Kantstraße verbindet, ein paar halbzerstörte Sitzbänke, Hundekot, Brennnesseln und ein grün gestrichener Minizaun.

Wer jetzt den Eindruck gewonnen hat, dass am Amtsgerichtsplatz ein paar Ideen eines Landschaftsarchitekten sowie die ordnende Hand des Grünflächenamtes fehlen, könnte recht haben. Zunächst mal müsste das Ordnungsamt her und seine uniformierten Knöllchenschreiber auf Zack bringen. Die entspannen nämlich viel lieber beim Lauern auf Falschparker in der nahen Suarezstraße als beim Auffinden von schludrigen Hundebesitzern, die hinter ihren Tieren nichts wegräumen, sondern alles dem Amtsgerichtsrasen zumuten.

Man kann sich jetzt fragen: Wozu die Mühe für 60 Schritte im Quadrat? Weil hinter den Bäumen die märkisch-barocke Fassade des 114-jährigen Amtsgerichts bewundert werden will. Weil es eine Bronzeskulptur gibt, die an das Vernichtungslager Treblinka erinnert und die man mitsamt ihrer Erinnerungstafel übersieht, wenn man nur vorüberhastet. Weil es am Amtsgerichtsplatz Kneipen und Cafés gibt und sogar ein anmutiges, denkmalgeschütztes Holzhäuschen, das seit 1905 als Bedürfnisanstalt fungierte, aber längst ein ganz reizendes Bistro mit nordafrikanischer Küche geworden ist. Weil der Amtsgerichtsplatz das Eingangstor zur entzückenden Leonhardtstraße ist, die man nicht mit schlechter Laune und Hundekot am Fuß betreten will.Susanne Vieth-Entus

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