Berlin : Amtshilfe im Netz: Ausweis, Pass, Führerschein verloren?

Clemens Wergin

Es passiert jeden Tag Dutzende Male in Berlin: Jemand verliert seine Geldbörse, oder sein Portemonnaie wird gestohlen. Wenn man dann Kredit- und EC-Karte gesperrt hat, stellt sich die nächste Frage: Wie komme ich an einen neuen Ausweis, Reisepass oder Führerschein? Ein Gang durch den Behördendschungel steht an, von vielen mit der Vorstellung verbunden von alten Linoleumböden in ungestrichenen Fluren, Warteschlangen und grimmigen Beamten, die einen von Tür zu Tür scheuchen.

Jetzt kann man allerdings einen Teil dieser unangenehmen Arbeit im Internet erledigen, die Lösung liegt nur ein paar Mausklicks entfernt. Unter www.berlin.de/landeseinwohneramt und dem Stichwort "Aktuell" findet der Bürger erste Amtshilfe. Zwar kann man den Antrag für den Ersatzpass noch nicht per E-mail schicken. Aber zumindest bietet sich das Formular zum Herunterladen an, es kann sogar am Bildschirm ausgefüllt und dann am heimischen Drucker ausgedruckt werden. Allerdings ersetzt dies nicht den Gang zum Amt: "Wir sind immer noch durch Gesetz gehalten, die Identität des Antragstellers durch Augenschein zu prüfen", sagt Manuela Sandhop, Mitarbeiterin des Steuerdienstes des Innensenators. Dennoch ist die Internetseite hilfreich, lassen sich doch unnötige Behördengänge vermeiden. So ist hier zu erfahren, was mitzubringen ist. Für den Reisepass wäre das ein "neues Lichtbild (35 mal 45 mm ohne Rand, Hochformat ohne Kopfbedeckung)". Außerdem erfährt der Bürger, dass er keinen Vertreter schicken kann und bei Diebstahl Anzeige erstatten muss.

Auch die Adressen der Meldeämter samt Öffnungszeiten sind nur einen Mausklick entfernt. Gut gemacht und leicht verständlich. Nur: Wenn es um den Führerschein geht, muss man wieder woanders hin. Zwar erleichtern Straßenkarten den Weg beispielsweise zum Führerscheinbüro in der Puttkamerstraße. Doch eigentlich wünschte man sich ein Bürgerbüro, wo man alle nötigen Behördengänge auf einmal erledigen kann. Das lasse aber der Datenschutz nicht zu, sagt Sandhop. "Es würde bedeuten, dass Führerschein- und Kfz-Register wie auch Passregister und weitere Archive an einem Ort verfügbar sind." Damit käme man dem von niemandem gewollten "gläsernen Bürger" aber gefährlich nahe. Schon die für den ersten Januar geplante Verschiebung der Zuständigkeit der Meldestellen hin zu den Bezirksämtern bedeutet, dass diese nun mit den Daten über Schule und Kindergarten abrufbar sind. Die Kontrollmöglichkeiten der Behörde nehmen zu.

Dennoch möchte man in der Senatsverwaltung für Inneres weiter auf dem Weg ins Internet gehen. In Zukunft kann man sich so das Wunschkennzeichen für das eigene Auto reservieren lassen. Auch die Anfrage in der Melderegisterauskunft sollen Berliner in Zukunft e-mailen können, die Antwort wird dann allerdings weiter per Post verschickt. An einem virtuellen Großprojekt wird derweil noch gearbeitet: Dem interaktiven Leitfaden zum Thema Umzug. Hier kann man dann erfahren, was man im Umzugsfalle alles erledigen muss, und wichtig: in welcher Reihenfolge.

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