Berlin : Amtsübergabe: Sechzehn Minuten unter vier Augen

Brigitte Grunert

Seit Sonnabend ist Eberhard Diepgen Regierender Bürgermeister a. D., am Montag erfüllte er mit der doppelten Amtsübergabe seine letzten Pflichten. Morgens um 8 Uhr 30 übergab er seinem Nachfolger Klaus Wowereit die Amtsgeschäfte im Roten Rathaus, vormittags dem neuen Justizsenator Wolfgang Wieland in der Justizverwaltung. In beiden Häusern gab es die aus diesem Anlass übliche Personalversammlung: Der alte Chef verabschiedete sich mit Dank, der Neue stellte sich vor.

Man wüsste zu gern, was sich der neue Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) und sein nach fast 16 Amtsjahren abgewählter Vorgänger Eberhard Diepgen (CDU) bei der "Amtsübergabe" 16 Minuten lang so Geheimnisvolles unter vier Augen zu erzählen hatten. Fehlanzeige. Keiner der beiden wollte es verraten. "Es gibt Dinge, die ich für mich behalte", sprach Wowereit. Das glaubt ihm Diepgen seit dem Bruch der Großen Koalition. Was Diepgen im Panzerschrank hinterlassen hat, soll auch niemand wissen, Geheimakten natürlich.

Zum Thema Online Spezial: Machtwechsel in Berlin Sonnabend Machtwechsel im feierlichen Schwarz, Sonntag die ersten beiden Repräsentationstermine im feierlichen Schwarz, Montagfrüh um halb neun das Zeremoniell der Amtsübergabe im Alltagsgrau: Kurz vor der Zeit stand Klaus Wowereit auf dem Teppich im Vorzimmer des Regierenden. In seiner Begleitung waren Volker Kähne, der bisherige Chef der Senatskanzlei, und dessen Nachfolger André Schmitz, der neue Senatssprecher Helmut Lölhöffel und dessen Vorgänger Michael-Andreas Butz, der neue Wowereitsche Büroleiter Matthias Köhne und der neue persönliche Referent Volker Holtfrerich, beide bisher Wowereit-Mitarbeiter in der SPD-Fraktion. Pünktlich öffnete Diepgen die Tür von innen, begrüßte alle lächelnd und verschwand dann für die geheimnisvollen 16 Minuten mit Wowereit in den Amtsgemächern. Zwei mächtige Büroräume mit Konferenztisch und Sofaecken für wichtige Besucher sind es, dahinter ein Ruheraum mit einer Liege zur Entspannung und ein schönes Bad. Als die beiden zurückkehrten, strahlte Wowereit in die Kameras, und Diepgen lächelte gefasst, alles wie es sich gehört. Dann erhielten Diepgens Staatssekretäre Volker Kähne, Hildegard Boucsein und Butz ihre Urkunden zur Versetzung in den einstweiligen Ruhestand. Neue werden vor der Wahl nicht berufen. Gerd Wartenberg (Bundesangelegenheiten) übernimmt Europa von Frau Boucsein mit, Lölhöffel bleibt Angestellter mit unverändertem Gehalt. Im schwarzen Hosenanzug mit goldenen Tressen wirkte Frau Boucsein "wie ein Admiral, der vom Schlachtschiff geht", so einer aus der Senatskanzlei.

Um 12 Uhr versammelten sich an die 300 Mitarbeiter der Senatskanzlei im Festsaal des Roten Rathauses zur Personalversammlung. Nacheinander sprachen die Personalratsvorsitzende Brigitte Berndt-Willner, Diepgen und Wowereit, Kähne und Schmitz. Alles war voller Dank für Diepgen, und der verabschiedete sich nun aufgekratzt mit Dank an die Mitarbeiter und einer Episode. Als er nach der Wahl 1989 von Walter Momper abgelöst wurde, habe ihm ein Mitarbeiter einen Bumerang mit den Worten geschenkt: "Der kommt immer wieder zurück." An Wowereit gewandt fügte er schmunzelnd hinzu: "Ich könnte sagen, aller guten Dinge sind drei, aber ich habe mich ja am Wochenende eindeutig geäußert." Also diesmal war es ein Abschied für immer. Wowereit aber sprach gleich klare Worte: keine betriebsbedingten Kündigungen, kein Wechsel bei den Abteilungsleitern, nur die Bitte um Anregungen für organisatorische Veränderungen der Arbeitsabläufe. Er will auch die Abteilungen besuchen.

Nach diesem üblichen Zeremoniell verlief auch die Amtsübergabe im Hause der Justizverwaltung. Nichts gegen Diepgen, aber es herrschte doch die prinzipielle Freude, dass es wieder einen eigenen Justizsenator gibt.

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