Berlin : An der BVG ist die Bahn nicht interessiert

Das Hamburger Angebot bleibt dagegen attraktiv

Klaus Kurpjuweit

Während die Bahn unbedingt Miteigentümer der Hamburger Hochbahn werden will, hat sie in Berlin kein Interesse mehr, bei der BVG einzusteigen. 1997 war dies noch anders. Damals wollte die Bahn zusammen mit dem Senat den städtischen Nahverkehr und die S-Bahn zu einem Unternehmen zusammenführen. Nach jahrelangen Verhandlungen gaben beide Seiten den Versuch aber auf.

Während die Bahn damals den Einstieg bei der BVG als ersten Schritt empfand, um auch im städtischen Nahverkehr Fuß zu fassen, will sie sich in Hamburg mit dem Engagement bei der Hochbahn, die das Bus- und U-Bahn-Netz der Hansestadt betreibt, vor allem einen lästigen Konkurrenten vom Hals schaffen.

Zusammen mit anderen Unternehmen haben die Hamburger der Bahn bereits zahlreiche Bahnstrecken in Deutschland weggeschnappt, weil sie in Ausschreibungen günstigere Angebote abgegeben haben. Unter anderem betreibt die Hochbahn zusammen mit der Prignitzer Eisenbahn die Nebenstrecken östlich von Berlin. Die BVG dagegen hat außerhalb der Stadt nicht Fuß gefasst.

Auf erheblichen Widerstand stießen 1997 die Pläne der Bahn, nach einer Fusion der BVG und der S-Bahn das Busnetz drastisch zu verkleinern. Gegen die Zusammenarbeit sperrte sich zudem die Gewerkschaft ÖTV, die später in der Vereinigten Dienstleistungsgewerkschaft Verdi aufging. Da die damalige Gewerkschaft der Eisenbahner Deutschlands (heute Transnet) selbstständig blieb, befürchtete man bei der ÖTV, dass in einem fusionierten Unternehmen viele Busfahrer zur Eisenbahner-Gewerkschaft wechseln könnten.

Zudem gab es auch innerhalb der Bahn Bedenken, nach einem Zusammenschluss die hochdefizitäre BVG sanieren zu müssen. Die Bahn wollte deshalb das BVG-Personal nicht übernehmen, sondern nur ausleihen. Auch für die Infrastruktur – und damit für die teure Instandsetzung der U-Bahn-Anlagen – sollte das Land zuständig bleiben.

Statt zu fusionieren, versuchten beide Verkehrsunternehmen in den Folgejahren, sich gegenseitig Kunden abzujagen. Jahrelang konnten sie sich nicht einigen, nach welchem Schlüssel die Fahrgeldeinnahmen aufgeteilt werden sollten. Dieses Problem immerhin ist inzwischen gelöst.

Da der Senat mit der S-Bahn einen Verkehrsvertrag bis Ende 2017 abgeschlossen und der BVG eine Bestandsgarantie bis 2020 gegeben hat, lohnt sich eine Fusion aus Sicht der Bahn derzeit nicht.

Inzwischen verhält sich auch das Bundeskartellamt kritischer, das damals einer Fusion noch offen gegenüberstand. Ob das Amt jetzt einem Einstieg der Bahn bei der Hochbahn in Hamburg zustimmen wird, ist ungewiss.

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