Berlin : An der Ecke Kollwitzstraße wird eine prominente Lücke bebaut

C. v. L.

Hier ist im Krieg ein Flugzeug abgestürzt, und die Folgen für den nördlichen Senefelderplatz waren Schutt und Asche. In den folgenden Jahrzehnten war das Brachland von fast anheimelnder Hässlichkeit, später musste die verbliebene Mietskaserne im Sanierungsgebiet Kollwitzplatz immer wieder als beliebte Filmkulisse herhalten. Dabei hat die Ecke mit ihrer herangewachsenen Grünfläche auch schöne Seiten. Stadtbekannt ist das Gelände, weil es so verkehrsgünstig liegt. Wer durch die östlichen Bezirke fährt, hat das Gefühl, als führten automatisch alle Wege hier vorbei.

Die Zeit als Freifläche ist bald beendet: Zwischen Schönhauser Allee, Metzer Straße und Kollwitzstraße - der Kollwitzspitze - sollen Wohn- und Geschäftshäuser errichtet werden, der Bauwettbewerb ist entschieden. Auslober waren die Gesellschaft der behutsamen Stadterneuerung S.T.E.R.N., das Bezirksamt und die Kollwitzspitze GmbH als Investor. Das Preisgericht entschied sich für den Entwurf der Architekten Léon-Wohlhage-Wernik mit Hans Josef Lankes und Jochen Menzer. Von zunächst 104 Bewerbern waren sieben Büros zur Teilnahme am Wettbewerb aufgefordert worden.

Von ihnen wurde verlangt, mit einer bereits vorliegenden Planung für das Grundstück Schönhauser Allee 19 die gesamte nördliche Platzbegrenzung städtebaulich und architektonisch neu zu entwickeln. Die Lösungen sollten auf den Stadtraum, der als Ensemble unter Denkmalschutz steht, "sensibel reagieren". Der Bezirk machte zudem deutlich, dass für ihn das Projekt als "Eingangstor" zu den gründerzeitlichen Wohnquartieren von hoher Bedeutung ist.

Der mit dem ersten Preis ausgezeichnete Entwurf schlägt Vorderhäuser mit Seitenflügeln vor. Das Preisgericht unter Vorsitz von Rainer Ernst lobte die durchgehende Bebauung mit einer Reihe eigenständiger Häuser und den Versuch, mit einer Dachlandschaft "eine artikulierte Silhouette" zu schaffen. Vorgesehen sind Fassaden mit Wintergärten, an der Metzer Straße wird die Glasfront besonders auffallend sein. Hier ist auch ein kleiner Einschnitt vorgesehen. Er soll daran erinnern, dass es dort einmal einen so genannten Begräbnisgang gab, der zum benachbarten jüdischen Friedhof quer über das Grundstücksgelände führte.

Nach Ansicht des Preisgerichts sollte der Entwurf in die Tat umzusetzt werden, empfohlen wurde allerdings eine Überarbeitung wegen der baulichen Dichte. Ein Starttermin für den Bau ist noch offen, aber bei S.T.E.R.N. rechnet man damit, dass der Grundstein recht bald gelegt werden kann. Die Wettbewerbsarbeiten sind vom 7. bis zum 21. Juni ausgestellt: Jeweils montags bis donnerstags von 10 bis 18 Uhr, freitags bis 16.30 Uhr in den Räumen der Stadterneuerungsgesellschaft an der Schwedter Straße 263.

Zu sehen sind dabei auch Fotos von einst. Als es noch eine komplette Eckbebauung gab und die Häuser markante Türme hatten. Bis der Krieg und der Flugzeugabsturz die nördliche Seite des Senefelderplatzes in Schutt legte.

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