Berlin : An die Harke, fertig, los

Wenn sich die Miniermotte nicht nächstes Jahr weiter ausbreiten soll, müssen Berliner mitfegen

Annette Kögel

Wenn das Engagement der Berliner so verhalten bleibt wie gestern beim offiziellen Auftaktfegen im Tiergarten, dann hat die Miniermotte im nächsten Jahr gute Überlebensbedingungen. Bis auf die Vertreter von Senatsverwaltung und Bezirken sowie von Plakatwand-Sponsor Stroer nahm bei dem Termin kaum ein freiwilliger Berliner die Harke in die Hand. Immerhin griffen ein paar Kinder spontan mit an. Denn Laubfegen ist bekanntermaßen das Einzige, was gegen den Baumschädling hilft. Doch zum Glück schwächelt der ehrenamtliche Ehrgeiz in der Stadt nicht immer so wie am Montag.

„Dort, wo die Leute vergangenes Jahr in Parks, auf Hinterhöfen und in ihren Vorgärten das Kastanienlaub bis aufs letzte Blatt ordentlich entsorgt haben, war der Befall um zwei Drittel zurückgegangen“, sagt Barbara Jäckel, Expertin beim Pflanzenschutzamt Berlin. Vor allem Kita-Gruppen und Schulklassen zeigen dem aus Osteuropa zugeflogenen Kleinschmetterling, was ’ne Harke ist. In jedem einzelnen braungekräuselten Blatt der befallenen weißblühenden Rosskastanie überwintern Dutzende Miniermottenpuppen, die selbst hohe Minusgrade überleben – um sich nächstes Frühjahr als Mottengeneration 2007 wieder durchs frisch ausgetriebene Grün zu fressen. Zum Nachteil des Baums, der leidet und Stresssymptome zeigt, und zum Schaden für die Berliner, denen die Kastanie als Schadstofffilter, Sauerstofflieferant und Schattenspender fehlt. Wegen des warmen Sommers ist der Mottenbefall so stark wie seit Jahren nicht. Deshalb muss alles Laub in den BSR-Laubsack, in die Tonne oder auf den Komposthaufen unter eine zehn Zentimeter dicke Erdschicht plus Folie – sonst wird zwar das Blatt kompostiert, nicht aber die Puppe. Alle Bezirke bitten die Berliner, jetzt mitzuhelfen, Gartengeräte werden gestellt – hier eine Auswahl von Mitmachaktionen:

Treptow-Köpenick. 31. Oktober, ab 7 Uhr, Straße am Goldmannpark/Steinplatz.

Friedrichshain-Kreuzberg. 1. November, 10 bis 14 Uhr, z. B.: Treff Stadthaus Böcklerpark; Forckenbeckplatz, Treff Zellestraße; Karl-Marx-Allee/Koppenstraße.

Neukölln. 3. November, 10 bis 12 Uhr, Von-der-Schulenburg-Park.

Steglitz-Zehlendorf. 4. November, ab 11 Uhr, Treffpunkt Breitenbachplatz.

Tempelhof-Schöneberg. 4. November, ab 11 Uhr, Treffpunkt Große Fontäne Ceciliengärten; ab 14 Uhr Treff Goldener Hirsch, Rudolph-Wilde-Park.

Charlottenburg-Wilmersdorf. 9. November, 9-13 Uhr, Treffpunkt hinter der Kirche am Lietzenseepark.

Alle Fegetermine der Bezirke im Internet unter www.stadtentwicklung.berlin.de/pflanzenschutz/kastanienminiermotte

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