Berlin : An Grundschulen nimmt Unmut über Reform zu

Susanne Vieth-Entus

Aus den Grundschulen mehrt sich die Kritik an der Umsetzung der aktuellen Reformen. Insbesondere dort, wo weder die Umbauten für den Ganztagsbetrieb abgeschlossen noch genug Erzieher und Lehrer da seien, herrsche eine „furchtbare Hektik und Unsicherheit“, berichtete gestern Peter Heyer vom Grundschulverband. Die GEW warnte, dass die „Belastungsgrenze bei vielen Kollegen überschritten“ sei. Wenn Bildungssenator Klaus Böger (SPD) nicht nachbessere, drohe die Reform zu scheitern.

Böger wies diese Einschätzung zurück. Zwar gebe es Bezirke wie Reinickendorf, die die Umbauten „nicht mit Priorität“ vorangetrieben hätten. Die Baustellen könnten aber zügig abgearbeitet werden. Im Übrigen kündigte er an, dass Lehrer in den Herbstferien umgesetzt oder neu eingestellt würden, sofern notwendig.

Dass es schon jetzt Engpässe gibt, hat Böger in seiner Antwort auf eine Kleine Anfrage des Abgeordneten Özcan Mutlu (Bündnisgrüne) bestätigt. Insbesondere in Neukölln sei die Ausstattung „knapp“. Wenn man die Dauerkranken abrechne, bleibe keine Vertretungsreserve übrig. Unter diesen Umständen sei die erhoffte qualitative Verbesserung der pädagogischen Arbeit nicht zu erwarten, meint Heyer. Laut Jürgen Schulte von der GEW Neukölln gäbe es Eltern, die ihre Kinder von den Schulen abmelden.

Landeselternsprecher André Schindler hat davon noch nichts gehört. Er weiß aber von Eltern, die sich über eine „bewusst passive Verweigerungshaltung“ ärgerten, die manche Lehrer und Schulleiter gegenüber der Reform einnähmen. Schindler sieht in den neuesten Stellungnahmen der GEW und einiger Schulen vor allem einen Beweis für eine „Kultur des Jammerns“, die über eine – berechtigte – Kritik am Personalmangel hinausgehe.

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