Berlin : An Schulen haben Diebe freien Zutritt

EU erteilt Hausmeistern abends Arbeitsverbot. Die Zahl der Einbrüche und Zerstörungen nimmt zu

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Das EU-Recht macht auch vor Berlins Schulhausmeistern nicht Halt. Eine Arbeitszeitrichtlinie aus Brüssel erlaubt es angeblich nicht, dass die Hausmeister abends oder am Wochenende Bereitschaftsdienste übernehmen. Das hat Folgen: Diebe und Vandalen haben es in den unbeaufsichtigten Schulen nun leicht. Schulleiter und Eltern fordern jetzt von der Politik neue Sicherheitskonzepte.

Laut Richtlinie der Europäischen Union dürfen Beschäftigte nicht mehr als 48 Stunden pro Woche arbeiten. Die Hausmeister lagen bisher weit darüber, waren damit aber größtenteils einverstanden, weil sie mit den Bereitschaftsdiensten ihr Gehalt aufbessern konnten. Rund 300 Euro pro Monat machten die Zuschläge aus. Mit diesem Geld müssen die Bezirke jetzt versuchen, eine andere Bewachung zu organisieren.

„Wir haben noch keine intelligente Lösung gefunden“, sagt Neuköllns Volksbildungsstadtrat Wolfgang Schimmang (SPD). Denn es gibt viele Probleme, wenn die Hausmeister ab 17 Uhr verschwinden: In hunderten Schulen ist auch anschließend noch Betrieb – etwa weil Musikschulen und Sportvereine die Räume nutzen. Ein bezahlter Wachschutz, der nur kurz vorbeikommt und abschließt, bringt wenig; in der Zwischenzeit kann viel passieren. Wäre er länger an Ort und Stelle, würde das teurer, als es jetzt ist. Und das will niemand bezahlen.

Die Schulen verlieren aber noch mehr als nur den Bereitschaftsdienst bis 22 Uhr: Bisher wohnen viele Hausmeister in den relativ teuren Hausmeisterwohnungen der Schulen. Das machte im Zusammenhang mit dem abendlichen Bereitschaftsdienst auch Sinn. Nach Bekanntwerden der neuen EU-Regelung haben bereits die ersten Hausmeister ihre Wohnung gekündigt. Damit entgeht dem Land nicht nur die Miete, die Schulen sind am Wochenende nun auch verwaist.

Was das bedeuten kann, hat die Schöneberger Waldenburg-Hauptschule bereits zu spüren bekommen. Kurz nachdem der Hausmeister ausgezogen war, wurden an einem Wochenende 21 Flachbildschirme, ein Laserdrucker und zwei Beamer gestohlen. Rektor Ralf Schiweck beziffert den Schaden inklusive Beseitigung der Einbruchsspuren auf 12 000 Euro. Jetzt werde über den Einbau einer Alarmanlage verhandelt, sagt er. Die soll 5000 Euro kosten.

Schiwecks Kollege Erhard Laube hat ähnliche Probleme. Seine aufwändig gestaltete Schule liegt im schwierigen Kiez hinter dem „Sozialpalast“ in Schöneberg. „Ohne Hausmeister mehr Vandalismus“, lautet Laubes Erfahrung – und auch die des Charlottenburger Volksbildungsstadtrates Reinhard Naumann (SPD), der ebenfalls nach Lösungen für das Problem sucht. Ihn beschleichen inzwischen allerdings Zweifel, ob der Senat nicht irrte, als er den Bezirken auftrug, die EU-Richtlinie auf Hausmeister anzuwenden. Naumann war jetzt beim Deutschen Städtetag und erfuhr, dass seine Kollegen zwischen Konstanz und Flensburg keine Weisung in Sachen „Hausmeister“ bekommen haben. Naumann will jetzt erstmal herausbekommen, ob sich die Berliner Schulen zu Unrecht mit dem Problem herumschlagen.

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