Berlin : Anabolika, Ecstasy und Kokain: Wann begann der Drogenhandel der Polizisten?

Jörn Hasselmann

Die Berliner Justiz ermittelt intensiv, wann die beiden am Sonnabend verhafteten Polizisten mit dem Drogenhandel begonnen haben und in welchem Umfang mit Anabolika, Ecstasy und Kokain gehandelt worden ist. Wie am Sonntag berichtet, waren am Freitagabend bei einer breit angelegten Razzia an 34 Orten - überwiegend Wohnungen, aber auch Polizeidienststellen und Fitness-Studios - 29 Personen vorläufig festgenommen worden, darunter sechs Polizisten und ein ehemaliger Polizist. Die sechs Beamten gehören alle dem mittleren Schutzpolizeidienst an und sind um die 30 Jahre alt. Alle waren aus der Bodybuilder-Szene, und alle waren vermutlich untereinander bekannt.

"Die Razzia war weitestgehend erfolgreich", sagte Justizsprecherin Anja Teschner dem Tagesspiegel. So wurden Anabolika und Ecstasy gefunden. Gegen den "Kopf" und den "zweiten Mann" des Drogenringes erließ ein Richter am Sonnabendabend Haftbefehl wegen gewerbsmäßigen Handels mit Betäubungsmitteln. Den beiden Haupttätern werden nach dem derzeitigen Stand der Ermittlungen 60 und 50 Taten zur Last gelegt - begangen seit September 2000. Damals wurde man auf die Bodybuilderbande aufmerksam, seitdem wurde intensiv ermittelt. Justizsprecherin Teschner geht jedoch davon aus, dass die Rauschgiftgeschäfte schon früher begonnen haben und dass der Kreis der Verdächtigen noch wachsen wird.

Der Hauptverdächtige ist der 32-jährige Polizeimeister Karsten M. aus Wilmersdorf. Der Schutzpolizist versah seinen Dienst im Abschnitt 45 am Augustaplatz in Lichterfelde. Dieser Abschnitt war nach Angaben Teschners ein "Schwerpunkt" der Bande. Ob der zwei Jahre ältere Polizeiobermeister Uwe R., der "zweite Mann" der Bande, ebenfalls im Abschnitt 45 Dienst tat, konnte Teschner nicht sagen - und die Polizei wollte es gestern nicht. Ebenfalls ungeklärt ist, woher die beiden Polizisten die Drogen hatten, die sie in den Fitness- und Bodybuilder-Studios verkauft haben sollen. Als Schutzpolizisten haben sie natürlich weniger dienstlichen Umgang mit diesen Stoffen als die Drogenfahnder der Kripo. Die Beschuldigten müssen mit Haftstrafe von mindestens einem Jahr rechnen - das ist das Minimum bei "gewerbsmäßigem" Handel mit Drogen. Strafverschärfend könnte sich auswirken, dass die Beamten die Taten im aktiven Dienst begangen haben.

Vor einem Jahr waren zwei 27 Jahre alte Polizisten in Berlin verhaftet worden, die in ihrer Freizeit "Hausdurchsuchungen" bei Dealern veranstaltet hatten, um die "beschlagnahmten" Drogen zu verkaufen.

Klar ist für die Ermittler im neuen Fall nur, dass die beschuldigten sechs Polizisten die Anabolika und das Ecstasy auch selbst schluckten. Alle 29 Verdächtigen sollen "in verschiedenen Fitness-Studios ihre Körper mit Aufbaumitteln gedopt und geformt haben", teilte die Justiz mit. Bei Polizisten sei der Gang in Fitness-Studios weit verbreitet, sagte ein Beamter: "Polizisten sind ja vom Dienstherren angehalten, sich fit zu halten."

Offensichtlich haben es die sechs erwischten Polizisten mit dem Training übertrieben, und vermutlich sind sie beim Handel mit den Dopingmitteln auf die Idee gekommen, dass sich auch mit Ecstasy Geld verdienen lässt. Anabolika sind rezeptpflichtige Medikamente, die bei Wachstumsstörungen verschrieben - oder illegal zum Doping geschluckt werden. Die Droge Ecstasy ist wegen ihrer Aufputschwirkung besonders in der Jugend-Tanz-Szene beliebt, ebenso Kokain.

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