Analyse zum Wirtschaft-Sektor : Brandenburg muss mehr bieten als nur Wasser

Brandenburg ist als Reiseland hochbeliebt. Und doch muss die Mark aufpassen. Eine neue Tourismusstrategie soll diesen Erfolg steigern.

Thorsten Metzner
Ein Junge springt am 20.06.2013 von einem Sprungbrett am Freibad in Storkow (Brandenburg) in das Wasser des Storkower Sees.
Ein Junge springt am 20.06.2013 von einem Sprungbrett am Freibad in Storkow (Brandenburg) in das Wasser des Storkower Sees.Foto: dpa

Im Frühjahr 2016 will Brandenburg auf der Internationalen Tourismusbörse in Berlin (ITB) seine neue Tourismuskonzeption für die nächsten Jahre präsentieren. Die alte läuft bald aus, diesmal geht das Land einen völlig neuen Weg: Die Touristiker sollen die neue Strategie weitgehend selbst mitentwickeln, also wie sich die Mark künftig weiter als Reiseland profilieren, gegen harte Konkurrenz behaupten und neue Trends aufnehmen will. Ein erster Rahmenentwurf wird in dieser Woche auf dem brandenburgischen Tourismustag in Liebenberg (Oberhavel) präsentiert.

„Es soll ein lebendiges System werden, das sich permanent weiterentwickelt“, sagte Brandenburgs Wirtschaftsminister Albrecht Gerber (SPD). Der Tourismus sei eine „beispiellose Erfolgsgeschichte“, sagte Gerber und verwies auf jährlich 90 Millionen Tagesreisende, auf 12 Millionen erwartete Übernachtungen 2015, doppelt so viel wie in den 1990er Jahren. Und dabei habe der Tourismus 1990 fast bei null begonnen, mit Ausnahme der Sanssouci-Stadt Potsdam und des Spreewaldes.

Es konzentriert sich zu viel auf den Sommer

Dennoch hat der Tourismus in der Mark nach wie vor Schwächen. Sie sind in einer aktuellen Analyse zu seinen „Stärken – Schwächen – Chancen – Risiken“ formuliert, die im Zuge des Werkstattverfahrens für die neue Tourismuskonzeption erstellt und im Internet (www.tourismuswirtschaft-brandenburg.de) zur Diskussion gestellt wurde. „Schwaches Tourismusbewusstsein in Politik, Verwaltung und Bevölkerung“, lautet ein Defizit. Als Schwächen genannt werden auch „Aufgabenteilung und Kompetenzen in der Organisation des Tourismus“, also die Kleinstaaterei, die Egoismen der Kreise, die es nach wie vor bei den regionalen Tourismusstrukturen gibt.

Ein Nachteil sei auch die „Ein-Saisonalität“ im Sommer, auf den sich vieles konzentriere. Genannt werden zudem „Qualitätslücken in Hotellerie und Gastronomie“ und die „geringe landesweite Tourismusintensität bei gleichzeitig ausgeprägter Konzentration auf einige Orte“.

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Die Analyse stammt aus der Feder von externen Tourismusprofis, die vom Wirtschaftsministerium mit der Erstellung der neuen Konzeption beauftragt wurden. Es handelt sich um das internationale Beratungsunternehmen Kohl & Partner, die Agentur tourismusdesign und das Alpenforschungsinstitut der Hochschule München. Grundlage waren auch Einschätzungen aus der Branche selbst, die aus Anhörungen und drei Regionalkonferenzen herausgefiltert wurden. Als Stärke wird zum Beispiel die „nationale Alleinstellung Wasser“ aufgeführt, da kein Bundesland so viele Seen und Flüsse hat wie Brandenburg. Es finden sich weiter das „preußische Kulturerbe“, die „gute Radinfrastruktur“ und natürlich auch die Metropole Berlin, als starker „Tages- und Wochenendreisemarkt“ und als Zugang zum nationalen und internationalen Markt.

Brandenburg muss besser in der Digitalisierung werden

Für die Tourismuskonzeption schält sich bereits heraus, wohin es gehen sollte. Nötig sei eine „abgestimmte Digitalisierung auf allen Ebenen“, heißt es. „Die Gegenwart des Tourismus ist digital. Gewinnen werden in Zukunft jene, die auch digital begeistern.“ Die TMB Tourismus-Marketing Brandenburg, schon jetzt mit ihrem Portal erfolgreichste deutsche Landesmarketingagentur, will 2016 ihre neue Homepage präsentieren. „Dann werden wir drei Monate Könige sein und müssen uns wieder etwas Neues einfallen lassen“, sagte TMB-Chef Dieter Hütte angesichts des Tempos im Wettbewerb.

Ein Ruderer ist am 09.09.2015 nahe Kleinmachnow (Brandenburg) auf dem Teltowkanal unterwegs.
Ein Ruderer ist am 09.09.2015 nahe Kleinmachnow (Brandenburg) auf dem Teltowkanal unterwegs.Foto: ZB

Regionaler muss es werden, ökologischer

Beim Tourismus geht es immer auch um Botschaften, Emotionen. Da gibt es für Brandenburgs Möglichkeiten, sich als Marke, als Reiseziel zu profilieren, spannende Anstöße: „Temporärer Sehnsuchtsort, Gegenwelt“, heißt es etwa, oder auch: „Globale Risikogesellschaft: objektive Sicherheit als Standortvorteil für Brandenburg.“ Und: „Neue Konsummuster: weg vom materiellen Konsum hin zu Lebensqualitätkonsum: nachhaltig, authentisch, regional, fair, ökologisch.“

Freilich, auch Risiken führt die Analyse auf, mit denen alle umgehen müssen. An erster Stelle wird ein „rasant wachsender Fachkräftemangel im Tourismus aufgeführt“. Schon jetzt kann in der Gastronomie jede fünfte Lehrstelle nicht besetzt werden, sind Anbieter gezwungen, Angebote zu straffen, „mehr Ruhetage einzuführen oder auf Mittagsangebote zu verzichten“, sagte Gerber. Brandenburg setze sich deshalb beim Bund dafür ein, das Gastgewerbe in die Liste der Mangelberufe aufzunehmen – eine Voraussetzung dafür, dass Menschen aus Nicht-EU-Staaten für den  Job nach Deutschland einwandern dürfen. Ähnlich wie bei der Pflege werde auch die Gastronomie auf Zuwanderung angewiesen sein.

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