Berlin : Andrang auf Notbetten Montag startet die Kältehilfe in die Saison

Träger warnt: Es gibt zu wenig Plätze für Obdachlose

Sophie Crocoll

Ab Montag finden Obdachlose wieder Schutz bei der Berliner Kältehilfe – schon jetzt fürchtet einer der Träger, dass die zur Verfügung stehenden Übernachtungsplätze nicht ausreichen. „Wir glauben, dass die Schlafplätze dieses Jahr bereits innerhalb eines Monats voll sein werden“, sagt Hermann Pfahler vom Diakonischen Werk.

Bereits im vergangenen Jahr waren die Notunterkünfte so überfüllt, dass zusätzliche Plätze geschaffen werden mussten. Diesmal gibt es voraussichtlich zwischen 300 und 400 Übernachtungsplätze. Ganzjährig öffnet die Einrichtung in der Franklinstraße, in der Tieckstraße gibt es eine Notübernachtung mit zehn Plätzen nur für wohnungslose Frauen. Die Stadtmission bietet ab Montag in der Lehrter Straße 60 Übernachtungsplätze an, außerdem fährt der Kältebus durch Berlin, bringt Obdachlose in die Unterkünfte oder versorgt sie mit Tee und einem Schlafsack. Das Programm wird von Trägern wie dem Diakonischen Werk, der Caritas und der Berliner Stadtmission organisiert, um wohnungslose Menschen im Winter zu unterstützen. In den Einrichtungen beraten Mitarbeiter die Obdachlosen, wie sie längerfristig in betreuten Wohnungen und Übergangsheimen unterkommen. An vielen Orten werden sie medizinisch versorgt.

Der Senat hat signalisiert, seine finanzielle Unterstützung für das Programm zu erhöhen, sollte „eine Notsituation“ eintreten. „Wir werden ihn beim Wort nehmen“, sagt Hermann Pfahler. Er schätzt, dass derzeit 11 000 wohnungslose Menschen in Berlin leben, 1000 mehr als im Vorjahr. Von November 2009 bis März 2010 habe die Kältehilfe 50 000 Übernachtungen gezählt, 13,4 Prozent mehr als im Winter davor. Genaue Zahlen gibt es allerdings nicht. „Seit der Einführung von Hartz IV 2005 haben Senatsverwaltung und Bezirke keine aktuellen Zahlen mehr vorgelegt“, kritisiert Pfahler. Dies müssten sie dringend nachholen. Um zuverlässig planen zu können, seien aktuelle Zahlen notwendig. Zudem erschwerten Kürzungen die Arbeit der Kältehilfe, die sich durch Gelder der Bezirksämter und des Senats, durch Eigenmittel und Spenden finanziert. Beispielsweise stünden die Fördermittel in Charlottenburg-Wilmersdorf ab Januar derzeit noch in Frage. Sophie Crocoll

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