Andrang im Gropius-Bau : Die Kahlo lässt warten

Zwei Kunst-Höhepunkte ziehen Zigtausende in den Gropius-Bau: die Frida-Kahlo-Retrospektive und die Ausstellung von Olafur Eliasson. Es herrscht ein Andrang wie zu MoMA-Zeiten.

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Schlangenmenschen. Ein bis zwei Stunden müssen Besucher der Frida-Kahlo-Ausstellung im Martin-Gropius-Bau Stehvermögen zeigen, ehe ihre Geduld belohnt wird. Foto: Rückeis
Schlangenmenschen. Ein bis zwei Stunden müssen Besucher der Frida-Kahlo-Ausstellung im Martin-Gropius-Bau Stehvermögen zeigen, ehe...

Der Martin-Gropius-Bau kann die Besucher kaum fassen. Seit das Museum um 10 Uhr morgens öffnete, wartet eine schier endlose Schlange von Kunstinteressierten auf Einlass. Sie sind gekommen, um die Werke von Frida Kahlo in der Ausstellung „Retrospektive“ zu sehen. Bis zum Sonntag wurden bereits 7000 Zuschauer gezählt. Mehr noch als die Bilder fasziniert viele Besucher jedoch das harte Schicksal der mexikanischen Künstlerin.

In der Schlange vor dem Einlass haben einige sich vorsorglich Zeitungen mitgenommen. Mit ein bis zwei Stunden Wartezeit musste man am Montag rechnen. Der Ansturm weckt Erinnerungen an das MoMA-Gedrängel. Die Ausstellung des New Yorker Museum of Modern Art hatte 2004 hunderttausende Besucher in die Neue Nationalgalerie gelockt. Wartezeiten von sieben Stunden waren normal.

Zumindest Cornelie Mayer-Augustin würde das auch für Frida Kahlo in Kauf nehmen. Sie ist ein wahrer Fan. Früher, als sie noch in Mexiko lebte, habe sie sich sogar in Frida Kahlos Haus geschlichen, um ihre Urne zu sehen. Nun freut sie sich auf die Bilder, die bisher der Öffentlichkeit verborgen waren. „Ich habe Kahlos Tagebücher gelesen und mich gefragt, wo die Zeichnungen sind, von denen sie schreibt“, sagt Mayer-Augustin.

Die Antwort erhält sie in den Räumen des Kreuzberger Gropius-Baus. Mit etwa 150 Gemälden und Zeichnungen ist es die bisher umfassendste Werkschau der Künstlerin. Das Besondere sind die Leihgaben aus 30 mexikanischen und 15 nordamerikanischen Privatsammlungen und Museen. „Es ist aber vor allem die Person Frida Kahlo, die uns in die Ausstellung zieht“ berichtet ein Rentnerehepaar. „Wie sie aus ihrer inneren Kaputtheit Kunst macht, kann man nur bewundern.“ Am 17. September 1926 war Kahlo bei einem Busunfall schwer verletzt worden und musste ein Leben mit Schmerz und vielen Operationen erdulden. Nur ein einziges Bild hat sie diesem Unfall gewidmet. Unscheinbar hängt die Bleistiftzeichnung am Anfang der Ausstellung.

Der Großteil der Besucher schart sich um die surrealistischen Gemälde. „Die Liebe ist überall in den Bildern“, sagt eine Australierin. Auch für Anneke Smits hat sich die Wartezeit gelohnt. Sie habe viel über Kahlo gelernt, die sie bewundere. Die Bilder seien „nett“ gewesen.

Denn längst steht die Kunst nicht mehr allein im Vordergrund. Ein Mädchen aus San Luis Potosi in Mexiko besucht gerade Berlin. Sie sieht in Frida Kahlo gar eine „nationale Identifikationsfigur.“ Welch hohen Stellenwert Frida Kahlo in der mexikanischen Kultur hat, zeigt sich beim Besuch des Präsidenten der vereinigten Mexikanischen Staaten, Felipe Calderón. Am Montagnachmittag wurde er von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit und Museumsdirektor Gereon Sievernich zu einem Rundgang empfangen.

Neben Frida Kahlos Retrospektive lockt auch die Ausstellung „Innen Stadt Außen“ von Olafur Eliasson etliche Besucher in den Martin-Gropius-Bau. 18 000 seien es in den ersten fünf Tagen gewesen. Beide Ausstellungen sind noch bis zum 9. August zwischen 10 und 20 Uhr zu bewundern. Sidney Gennies

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