Andrea Fischer : Ex-Ministerin im grünen Bereich

Nach einer Karriere als Bundesgesundheitsministerin und Politikberaterin will sie jetzt Rathaus-Chefin werden: Andrea Fischer stellt sich der Basis in Mitte vor.

von
Vor der Kandidatur. Andrea Fischer will sich um das Amt der Bezirksbürgermeisterin von Mitte bewerben.
Vor der Kandidatur. Andrea Fischer will sich um das Amt der Bezirksbürgermeisterin von Mitte bewerben.Foto: Davids/Darmer

Bei wohlwollender Betrachtung wäre der Balkonsaal des Rathauses Tiergarten in der Turmstraße geeignet, um die Republik auszurufen oder die grüne Revolution. Nüchtern besehen illustriert der Ort eher die aktuelle Lage weiter Teile Berlins: sanierungsbedürftig, drinnen wie draußen. Gut 40 Basisgrüne aus Mitte sind gekommen, um sich unter anderem mit dem „Thema Bezirksbürgermeisterin zu befassen“, wie es zur Begrüßung heißt. Sie wollen Andrea Fischer hören, die nach einer Karriere als Bundesgesundheitsministerin und Politikberaterin jetzt Rathaus-Chefin werden will. Im Mai soll sie auf den ersten Listenplatz gewählt werden.

Die Reaktionen auf ihre Ankündigung „haben dazu beigetragen, dass ich jetzt deutlich selbstbewusster hier sitze“, sagt sie, bevor sie ihre Pläne umreißt. Von einer „Kultur der Mitsprache“ ist die Rede, die in Kombination mit dem chronischen Geldmangel das Regieren noch schwieriger mache. Gegensätze prägten den Bezirk, in dem aber „die wohlsituierten Bürger nicht einfach unter sich bleiben dürfen“. Konkret: Man dürfe es Eltern aus dem schicken Alt-Mitte nicht widerspruchslos durchgehen lassen, wenn sie ihre Kinder nicht in Kiezen wie Moabit zur Schule schicken wollen. Dafür gibt es Zwischenapplaus – den einzigen während der viertelstündigen Rede. Wobei Eltern von Alt-Mitte hier nicht sitzen.

Dem Dauerzwist um den Mauerpark will Fischer mit erneuter Bürgerbeteiligung zu Leibe rücken. Damit enden ihre konkreten Ankündigungen. Stattdessen betont sie mehrfach, wie sehr sie auf Kenntnisse und Unterstützung der Basis angewiesen sei. Als sie fertig ist, prasselt Applaus. Ob irgendwer Fragen habe an die Kandidatin? Nein, niemand.

Danach wird gestritten, ob man den zur Wiederwahl vorgeschlagenen Stadtrat Stephan von Dassel in einem Antrag als „erfolgreich“ bezeichnen solle. Fischer blickt lächelnd über den langen Tisch. Ihr Name steht nicht zur Diskussion. „Sie ist eine sehr gute Moderatorin“, sagt eine Grüne, die Fischer seit Jahren kennt. Eine andere sagt, etwas Besseres als die Frau mit Erfahrung jenseits des Tellerrandes könne der Bezirkspolitik nicht passieren. Ein anderer ist froh, dass die Ex-Ministerin Quote und Kompetenz vereine.

Fischer selbst sagt bei einer Raucherpause auf dem Balkon, sie halte es für provinziell, wegen der Kandidatur von Charlottenburg nach Mitte zu ziehen. Provinz ist nicht ihr Ding, als Dorfbürgermeisterin wäre sie ungeeignet. Aber in einer Großstadt wie Mitte sei Politik spannend und wichtig. Dann geht sie wieder rein, um die rhetorische Basisarbeit zu begleiten.

8 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben