Andreas Dresen : Vom Regisseur zum Verfassungsrichter

Der Filmemacher Andreas Dresen, bekannt durch "Sommer vorm Balkon" und "Herr Wichmann" begab sich am Freitag in eine neue Rolle: Er ist nun Laienrichter am Brandenburger Verfassungsgericht.

Ingmar Höfgen
Herr Richter, was spricht er? Zum ersten Mal zog Andreas Dresen die Robe für eine Verhandlung am Brandenburger Verfassungsgericht in Potsdam an.
Herr Richter, was spricht er? Zum ersten Mal zog Andreas Dresen die Robe für eine Verhandlung am Brandenburger Verfassungsgericht...Foto: dpa

Andreas Dresen betrat als Erster den Saal. Er führte die Riege der Brandenburger Verfassungsrichter an, die am gestrigen Freitag erstmals in neuer Besetzung im Justizzentrum an der Potsdamer Jägerallee tagten. Dass der Neue vorneweg ging, lag allerdings nicht an der Premiere, sondern wohl nur an der Sitzordnung. Von rechts kamen die sechs Richter in den Saal, ganz links nahm der Filmemacher („Sommer vorm Balkon“, „Herr Wichmann...“) bei seiner ersten mündlichen Verhandlung als Laienrichter Platz. Ihn fokussierend, zogen zwei Kameras und mehrere Fotografen durch den Raum. „Mich freut Ihr Interesse am Verfassungsgericht“, sagte der Vorsitzende Richter Jes Möller belustigt, als er das ungewohnte Filmen und Fotografieren nach vier Minuten beendete.

Viel zu tun hatte Dresen – schwarze Robe, weiße Krawatte und altersgemäß ergraut – in der reichlich zweistündigen Verhandlung nicht. Die Fragen stellte der Vorsitzende, es ging um das Thema, ob die vier kreisfreien Städte in Brandenburg finanziell ausreichend vom Land bei der Kinderbetreuung unterstützt werden. Vor dem Gericht saßen die Vertreter der Landesregierung, die sich immer wieder in der Taktik versuchten, das Einfache einer pauschalen Berechnung herauszustellen und alle anderen Ansätze rechen- und kostenintensiv, also möglichst kompliziert darzustellen.

Landeszuschuss-Anpassungsverordnung, Spitzabrechnung, Mindestbetreuungszeit und erweiterte Mindestbetreuungszeit: Worte, deren Verwendung der Bürger gern Beamten und Juristen überlässt und die in Dresens Beobachtungen des realen Lebens höchstens als bürokratische Kuriosität auftauchen dürften, gewannen im Gerichtssaal plötzlich an Gewicht. Immer wieder schaute Dresen ernst in die Zuschauerränge. Die Journalisten schauten zurück.

Wie der 49-Jährige sich in seiner neuen Rolle gefühlt hat, erfuhr die Presse nicht mehr. „Wir müssen gleich weiterarbeiten“, wehrte Dresen ab, lächelte und verschwand ins Beratungszimmer. Ein Urteil fiel an diesem Tag nicht.

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