Andreas Neuendorf alias Zecke : Ein Künstler auf dem Fußballplatz

Wie es dazu kam, dass aus Andreas Neuendorf von Hertha BSC der Fußballprofi mit dem Künstlernamen Zecke wurde.

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Vanessa ist schuld. Vanessa hat das Wohnzimmer der Familie Neuendorf mit Bildern geschmückt und ihren Mann Andreas so ein bisschen durcheinander gebracht. Ihr Mann arbeitet in Berlin als Fußballprofi. Andreas Neuendorf steht beim Bundesligisten Hertha BSC unter Vertrag. Ein Fußballprofi sei doch eigentlich auch ein Künstler, sagt er neulich. Seine Frau verleihe ihren Gefühlen eben mit Farbe Ausdruck, „und ich“, sagte Neuendorf, „ich lasse mich auf dem Platz inspirieren, lasse meine Emotionen ins Spiel einfließen“. Deshalb sollte sein Künstler auf dessen Trikot stehen: „Zecke“.

Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) lehnte ab. Fußballspieler sind doch nur Fußballspieler. Und keine Künstler.

Am Montag nun bekam Herthas Geschäftsführer Ingo Schiller einen Brief aus Frankfurt am Main, aus jener Stadt, in der die DFL sitzt. Sinngemäß stand in jenem Brief, dass Andreas Neuendorf in der Fußballbranche seit Montagvormittag als Künstler gelte. Und deshalb dürfe er nun auch seinen Künstlernamen „Zecke“ auf dem Trikot tragen.

Die Geschichte hat ein Ende gefunden.

Angefangen hatte alles am Stadtrand Berlins, in Seeburg. „Meine Frau hat eine Staffelei zu Hause, damit darf ich auch malen“, sagt Neuendorf. Und was malt ein Fußballprofi? Zum Beispiel das, nun ja, nette Bild mit dem Titel: „Gesicht 2001“. Vierecke sind zu sehen, „dazu ein wenig bunte Tubenmalfarbe, ein paar Linien, und dann war das Bild fertig.“ Aha. Neulich hat er sogar einen Kühlschrank bemalen dürfen.

Natürlich verdient Neuendorf weiterhin sein Geld in der Fußball-Branche und nicht etwa mit dem Malen von Bildern. 151 Euro hat ein Tagesspiegel-Redakteur für das „Gesicht 2001“ gezahlt. Ein guter Preis. Denn so ein bisschen hat nun auch der Tagesspiegel Anteil daran, dass der Fußballprofi Neuendorf den Status eines Künstlers besitzt. „Die Kollegen bei uns auf der Hertha-Geschäftsstelle haben nach der Publicity auch angefragt“, sagt Neuendorf. „Aber ein Künstler arbeitet doch nicht am Fließband, oder?“

Immer wenn Neuendorf, der neuerdings mit einem verkapptem Irokesenschnitt über den Fußballplatz rennt, über seine künstlerische Leidenschaft spricht, dann muss er lächeln. So richtig ernst nimmt er die ganze Geschichte nicht. Neuendorf sagt: „Diese ganze Aktion war nur Mittel zum Zweck“. Warum? „Mich nennt kein Mensch ,Herr Neuendorf‘. Auch nicht die Jungs von der DFL. Und wenn ich für alle nur ,Zecke‘ bin, dann soll das bitteschön auch auf meinem Trikot stehen.“ Die DFL aber verweigerte den Antrag. Nur Künstler dürften das. Neuendorf hat das nicht so recht verstanden. Seine ausländischen Kollegen dürften schließlich auch ihren so genannten Künstlernamen auf dem Trikot tragen. Obwohl sie doch Fußballspieler sind – und keine Künstler. Marcelinho zum Beispiel, Herthas Spielmacher. Der heißt bürgerlich Marcelo dos Santos Pareiba. Oder der große Pelé: Edson Arantes do Nascimento.

Nur „kennt man diese Spieler auch nur unter diesem Namen", sagte Tom Bender von der DFL vor einiger Zeit. Und: „Es gibt Vorschriften. Wenn Neuendorf ,Zecke‘ heißen darf, dann will morgen ein anderer Spieler ,Kommissar Rex‘ heißen." Neuendorf hat seinen hübschen Spitznamen einer Legende nach bei einem Waldlauf verpasst bekommen. Eine Zecke hatte ihn gebissen. „Zum Glück war es kein Schwein“, sagt Neuendorf.

Mit den selbstgemalten Bildern brach so langsam der bürokratische Widerstand. Die Passbehörde gab entnervt auf. Im Reisepass steht nun unter „Künstlername“: „Zecke“. Am Montag dann hatte auch die DFL keine Lust mehr auf Streit. Nur Vanessa, Frau Neuendorf, die ist überhaupt nicht über das neue Hobby ihres Mannes erfreut. Als Neuendorf ihr das Bild „Gesicht 2001“ zeigte, sagte sie: „Kleinkinder kriegen so etwas besser hin.“ Neuendorf fand das nicht lustig. Vanessa auch nicht. Sie ist ja irgendwie selber schuld.

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