Angeblicher Psychologe vor Gericht : Hochstapler fälschte „Idiotentests“

Boris W. fälschte Gutachten für Autofahrer, die man nach Alkohol- oder Drogenfahrten aus dem Verkehr gezogen hatte. Mindestens 37.000 Euro soll er dafür kassiert haben. Jetzt steht der Mann vor Gericht.

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Ein Hochstapler fälschte Gutachten für Verkehrssünder.
Ein Hochstapler fälschte Gutachten für Verkehrssünder.Foto: dpa

Studiert hat Boris W. tatsächlich. Ein paar Semester Psychologie in Kiel, dann in Potsdam. Er arbeitete auch als Praktikant in einem Institut, das als zertifiziertes Unternehmen medizinisch-psychologische Untersuchungen, kurz MPU oder auch „Idiotentest“ genannt, durchführte. Dort aber begann er eine Karriere, die auf Lüge aufgebaut war. Er bastelte sich ein Diplom-Zeugnis und kaufte sich einen Doktortitel der Uni Warschau. Er fälschte Gutachten für Autofahrer, die man nach Alkohol- oder Drogenfahrten aus dem Verkehr gezogen hatte und die nach Tests weiter als fahruntüchtig galten.

„Ich habe jeweils die letzte Seite so verändert, dass es ein positives Ergebnis gab“, gestand Boris W. am Montag vor Gericht. 91 MPU-Gutachten sowie 29 Alkohol- und Drogenscreenings manipulierte er laut Anklage. Mindestens 37 000 Euro habe er dafür kassiert. Der schlanke Mann von 36 Jahren rieb sich die kahle Stirn. „Der Druck war so groß“, stöhnte er. Er spielte nicht auf das Institut an, in dem er hinter dem Rücken aller anderen Mitarbeiter hemmungslos fälschte. „Meine Eltern haben großen Anteil daran“, klagte er. Als Sohn von Psychologen sei er in diese Richtung „gedrückt“ worden. Und dann sei im Institut ein eleganter Geschäftsmann aufgekreuzt, der ihn „angefüttert, angekauft“ habe.

Boris W. lernte Demirel K. kennen. Der war einst Fahrlehrer, allerdings ein korrupter. 1999 wurde er wegen Bestechung von Dekra-Prüfern zu drei Jahren Haft verurteilt. Ab 2007 betrieb er in Charlottenburg eine Firma, die MPU-Vorbereitungskurse anbot. Seine Kunden stellten sich zur Begutachtung in dem Institut vor, in dem der falsche Psychologe tätig war. Boris W. stieg nebenberuflich bei K. ein und führte selbst Kurse durch. Demirel K. köderte mit „Bestehensgarantie“. Als ein von W. vorbereiteter Kunde durch des Test fiel, habe er verlangt: „Bügle das aus.“ Er veränderte das negative Gutachten ins Positive. Die Gefahren, die von solchen Kraftfahrern ausgehen können, habe er verdrängt, sagte der Angeklagte. 500 Euro und eine Einladung für ein Fußballspiel erhielt er für seine erste Fälschung. „Damit war ich drin in dem Sumpf“, sagte der Hochstapler. Von K. erhielt er nach eigenen Angaben 12 000 Euro. Zudem gab es weitere Kontakte zu zwei Männern, die ebenfalls für manipulierte Führerschein-Tests bis zu 1000 Euro zahlten. W. will wie im Falle von K. nicht der Initiator gewesen sein. Die Richter hörten es mit Skepsis.

In der Fahrerlaubnisbehörde, bei der die MPU-Gutachten vorgelegt werden, kam man dem Schwindel schließlich auf die Schliche. Demirel K. stand wegen der Gefälligkeitsgutachten bereits 2010 vor Gericht und bekam drei Jahre und drei Monate Haft. Die Autofahrer, die ohne Mitwirkung von W. keine Chance auf schnelle Wiedererteilung des Führerscheins hatten, wurden wieder aus dem Verkehr gezogen. Die Staatsanwältin kritisierte am Rande des Prozesses, dass Gefälligkeitsgutachter nicht wegen Korruption verurteilt werden können, weil sie keine Amtsträger sind. Der Prozess gegen W., der sich nun um ein echtes Diplom bemühen will, geht Mittwoch weiter. K.G.

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